Bücher Kunst und Wissenschaft
Auf die Suche nach gemeinsamen Motiven in den nur scheinbar sehr verschiedenen Welten von Künstlern und Wissenschaftlern hat sich der Oxforder Kunsthistoriker Martin Kemp begeben. Das Ergebnis ist eine bebilderte Essaysammlung, die zunächst im Wissenschaftsmagazin "Nature" und jetzt auch als Buch auf Deutsch erschienen ist.
Kemp stellt dabei nicht nur kenntnisreich abendländische Kunstwerke von der Frührenaissance bis zur Gegenwart vor und weist nach, wo sich darin wissenschaftliche Theorien widerspiegeln. Fasziniert betrachtet er als Kunsthistoriker auch die kraftvolle Bildsprache wissenschaftlicher Abbildungen.
In jedem Werk, das Kemp vorstellt, entdeckt er so immer wieder neue Bezüge zwischen Kunst und Wissenschaft. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 zum Beispiel nutzten nicht nur Ärzte, sondern auch Künstler wie zum Beispiel Josef Maria Eder und Eduard Valenta in ihrem Bild der Äskulapnatter, um die Beschränkung unseres Sehvermögens zu überwinden. Der französische Bildhauer Henri Étienne-Martin, erklärt Kemp, habe in seiner gedrungen-verschlungenen Skulptur "L'Anémone" sogar die räumliche Struktur des Blutfarbstoff-Moleküls Hämoglobin vorweggenommen.
Fast jeder von Kemps Essays ist allgemein verständlich, oft sogar vergnüglich geschrieben und eine in sich abgeschlossene spannende Anregung der Band gleicht jedoch eher einem Kaleidoskop; ein Gesamtbild der komplexen Bezüge zwischen Kunst und Wissenschaft entsteht nicht.
Martin Kemp: "Bilderwissen. Die Anschaulichkeit naturwissenschaftlicher Phänomene". DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2003; 280 Seiten; 39,90 Euro.