Futurologie: Wilde Zukünfte - DER SPIEGEL
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Futurologie Wilde Zukünfte

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Schicksal heißt "Nemesis": ein Asteroid, der westlich der Azoren in den Atlantik einschlägt. Eine 50 Meter hohe Flutwelle verschlingt Boston, Bordeaux, New York und London. China und Russland steigen daraufhin zu neuen Großmächten auf.

Dieses Szenario ist nur eine von insgesamt 55 Zukünften, welche die beiden Futurologen Karlheinz und Angela Steinmüller zusammengetragen haben ­ ihnen allen ist gemein, dass sie unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen sind. Gemeinhin vertraue die Prognosebranche zu sehr auf eine "überraschungsfreie Standardzukunft", bemängeln die beiden, die als Science-Fiction-Autoren bekannt geworden sind.

Als Gegenmittel empfehlen sie so genannte Wild Cards, unwahrscheinliche Ereignisse, die den Lauf der Geschichte wenden: Europa versinkt im Schnee, weil der Golfstrom "umgekippt" ist; Mekka erblüht, weil hier ein neuer, wissenschaftsfreundlicher Islam verkündet wird; Europa wird durch einen Generalstreik junger Steuerbürger gegen zu hohe Rentenzahlungen lahm gelegt; im Internet setzt sich eine Weltwährung namens "Globo" durch.

"Es wäre ein Wunder, wenn auch nur eine der Wild Cards aus unserem Katalog so eintreffen würde, wie wir sie beschrieben haben", warnen die faktenorientierten Phantasten. "Aber mehr noch würde uns überraschen, wenn sich keine Einzige von ihnen realisiert."


Angela und Karlheinz Steinmüller: "Ungezähmte Zukunft ­ Wild Cards und die Grenzen der Berechenbarkeit". Gerling Akademie Verlag, München; 196 Seiten; 24,90 Euro.