Afrika Massaker im Kongo
Carolyn McAskie, stellvertretende Nothilfe-Koordinatorin der Vereinten Nationen, sah bereits den "Schatten Ruandas", als "Männer, Frauen und Kinder ihre Nachbarn angriffen". Sie berichtete, dass sich in der Umgebung der Bezirkshauptstadt Bunia derzeit ganze Dörfer gegenseitig abschlachteten.
Die neue Welle ethnischer Brutalität brach nach dem Abzug ugandischer Besatzungssoldaten los. Wenig später nahmen Rebellen der Union der kongolesischen Patrioten die Stadt Bunia ein und töteten Dutzende Menschen. Nun vergeht kaum ein Tag ohne Massaker. Unlängst ermordeten ugandafreundliche Lendu-Kämpfer mit Speeren und Gewehren 14 Frauen und Männer, darunter 2 Priester. Fast alle Hilfsorganisationen haben ihre Mitarbeiter ausgeflogen.
Zehntausende Kongolesen sind nach Schätzungen von Unicef auf der Flucht und vom Hungertod bedroht. Nach Darstellung der Vereinten Nationen starben seit 1999 allein in dieser regional begrenzten Konfliktzone des Kongo etwa 50.000 Menschen. Für das ganze Land belaufen sich Schätzungen auf weit mehr als drei Millionen Tote.
Heftige Kritik wird an der Uno geübt. Sie hat gerade einmal rund 600 leicht bewaffnete Friedenssoldaten im Bezirk Ituri stationiert. Kofi Annan forderte deshalb am Freitag die Bildung einer internationalen Friedenstruppe. Auf der in der Nacht zum Samstag in Kraft getretenen Waffenruhe, die Präsident Joseph Kabila mit in Bunia kämpfenden Milizen ausgehandelt hat, ruht wenig Hoffnung: Zu oft schon sind ähnliche Abkommen in der Vergangenheit gebrochen worden.