Verhaltensforschung: Weltkarte der Hilfsbereitschaft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Verhaltensforschung Weltkarte der Hilfsbereitschaft

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit Anfang der Neunziger reist der US-Psychologe Robert Levine mit Studenten von einer Großstadt zur andern und untersucht, wie hilfsbereit die Leute sind.

Dafür stellen sie allerlei Experimente an: Die Forscher verlieren zum Schein einen Stift, warten mit Blindenstock an der Ampel oder lassen ein bereits adressiertes Kuvert auf der Straße fallen. Am Ende wird ausgezählt, wie oft den Scheinbedürftigen geholfen wurde.

Am schlechtesten erging es ihnen demnach in New York und Kuala Lumpur. Hilfreicher sind die Menschen in der Regel in Städten, wo die Menschendichte geringer ist, die Produktivität niedrig und das Lebenstempo langsam (die Forscher maßen zu diesem Zweck die durchschnittliche Schrittgeschwindigkeit).

Es gibt aber auch positive Ausnahmen: Ausgerechnet das überfüllte Rio de Janeiro ist die Welthauptstadt des Altruismus: Die "Blinden" hatten dort Mühe, ihre Helfer auf der anderen Straßenseite wieder abzuschütteln.

In Tokio wurde der vorgeblich verlorene Brief von mehreren Findern persönlich an die angegebene Adresse zugestellt. In Europa taten sich vor allem Wien und Kopenhagen durch überraschende Dienstwilligkeit hervor.