Film: Alles bleibt in der Familie - DER SPIEGEL
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Film Alles bleibt in der Familie

Ein Krimi von Claude Chabrol: nach wie vor ein Markenprodukt, auf das man sich verlassen kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wo Chabrol draufsteht, da ist auch Chabrol drin - so sein Erfolgsrezept: Ein typischer Chabrol-Film ist in der wohlhabenden französischen Bourgeoisie angesiedelt, gern in der Provinz und gern im Schoß der Familie, also in einem stattlichen Haus, dessen Interieurs "altes Geld" atmen, und die Filmhandlung wird - auch wenn es sich mal nicht um eine Mordaffäre oder einen Psychothriller handelt - von einem Ur-Interesse am Verbrecherischen vorangetrieben, vom Interesse am Bösen.

Die Ausdauer, die Verlässlichkeit, die Unveränderlichkeit: Das sind die zutiefst bürgerlichen Qualitäten des Filmemachers Claude Chabrol, 73, die ihm in Frankreich auch über ein paar schwere Krisen und Abirrungen hinweg die Treue eines bürgerlichen Publikums und eine ziemlich beispiellose Kontinuität des Produzierens gesichert haben - im Lauf von 45 Jahren über 50 Kinofilme.

Keinem Regisseur glaubt man leichter und lieber als ihm, dass er seine Filme zu allererst zum eigenen Vergnügen macht - ganz einfach, weil er sich ohne das lustvolle Aushecken und Durchspielen bösartig vertrackter Familiengeschichten rasch zu Tode langweilen würde -, und kein anderer hat sich die Filmemacherei den eigenen Bedürfnisse gemäß so behaglich als Familienbetrieb eingerichtet.

Bei "Die Blume des Bösen", dem jüngsten Produkt der Chabrol-Factory, gehörten zum Team, wie seit langem, die Ehefrau Aurore als Skriptgirl und der Sohn Matthieu als Komponist, dazu als Schauspieler der Sohn Thomas, ferner der seit 15 Jahren treue Produzent Marin Karmitz und nun zum dritten Mal als Mitautorin dessen Frau, die in Frankreich durch ihre familienpsychologischen Bücher bekannte Analytikerin Caroline Eliacheff: Gemeinsam haben sie dafür gesorgt, dass "Die Blume des Bösen" mit gewohnt stilsicherer Eleganz alle Kriterien des typischen provinzbürgerlichen Familienkrimis à la Chabrol erfüllt, in dem zum guten Diner ein guter Wein niemals fehlen darf.

Das Raffinierte, auch absichtsvoll Konstruierte in "Die Blume des Bösen" besteht darin, wie die Handlung, während sie vorwärts geht, Schritt um Schritt rückwärts über drei Generationen und sechs Jahrzehnte eine von Inzest und Mord geprägte Familienchronik aufrollt. Dass der Regisseur den Film deshalb eine "fröhliche griechische Tragödie" nennt, klingt etwas großsprecherisch. Doch im Übrigen bekommt, wer Chabrol bestellt, auch diesmal wohl temperierten und gepflegten Chabrol serviert.

URS JENNY