Medizin: Warnung vor Hormontherapie - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Medizin Warnung vor Hormontherapie

Die umstrittene Hormon-Ersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren gerät immer stärker ins Zwielicht. Nach einer kritischen medizinischen Studie warnt nun auch das Bundesinstitut für Arzneimittel vor gefährlichen Nebenwirkungen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Zukunft sollen alle Frauen, die Hormonersatzpräparate gegen Beschwerden in den Wechseljahren einnehmen, wesentlich deutlicher als bisher auf gesundheitliche Risiken einer solchen Behandlung hingewiesen werden. Dies geht aus einem Papier hervor, das das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vergangene Woche an betroffene Pharmaunternehmen versandt hat.

In den Fachinformationen für Ärzte sowie im Beipackzettel für Patientinnen, so fordert die Bundesbehörde, muss künftig die Gefahr von Venenthrombosen, Herzinfarkten, Schlaganfällen und Brustkrebs ausdrücklich erwähnt werden - alles Nebenwirkungen, die durch die Hormonpräparate ausgelöst werden können. Unter dem Punkt "Art und Dauer der Anwendung" werden Frauenärzte zudem erstmals angehalten, "die niedrigste wirksame Dosis anzuwenden" - und dies auch nur so lange, "wie der Nutzen bei der Linderung ausgeprägter Symptome die Risiken überwiegt".

Die seit langem umstrittene Hormonersatztherapie geriet erneut in die Kritik, als Ende vorvergangener Woche britische Forscher im Fachblatt "Lancet" eine Untersuchung veröffentlichten, nach der diese Behandlung allein in Großbritannien 20.000 zusätzliche Brustkrebsfälle in den letzten zehn Jahren verursacht habe.

"So klar wie in dem neuen BfArM-Entwurf sind die Risiken bislang noch nie formuliert worden", urteilt die Berliner Gynäkologie-Professorin Martina Dören. "Ich hoffe, dass damit endlich deutlich wird, dass diese Hormonpräparate keine Lifestyle-Drogen sind, die das Altern aufhalten, sondern dass sie ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen können."