Sahara-Geiseln: Erst zahlen, dann jagen - DER SPIEGEL
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Sahara-Geiseln Erst zahlen, dann jagen

Die Bundesregierung will mit Hilfe Algeriens und der US-Behörden die Kidnapper der Sahara-Geiseln jagen lassen. Die Bundesanwaltschaft wird Haftbefehlsanträge stellen, um die Geiselnehmer weltweit zur Fahndung auszuschreiben. So soll verhindert werden, dass erneut Millionen Euro Lösegeld an Kriminelle gezahlt werden müssen.
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Hamburg - Zu den Gesuchten wird auch der Chef der Gruppe, der sich selbst Abderrassak al-Para nennt, gehören. Den deutschen Behörden liegt ein Schreiben Paras vor, in dem sich der offen zu der Geiselnahme bekennt und sich als "Emir" der Terrorgruppe GSPC bezeichnet.

Um weitere der Islamisten zu identifizieren, wurde bereits auf dem Rückzug der Befreiten aus der malischen Hauptstadt Bamako mit der Vernehmung der Sahara-Touristen begonnen. Zudem liegt der Bundesanwaltschaft ein Videofilm vor, auf dem etliche der Kidnapper zu sehen sind. Die weltweite Jagd soll auch den Schaden begrenzen, der aus Sicht von Sicherheitsexperten durch die Zahlung des Lösegeldes eingetreten ist. So will die Bundesregierung dem Eindruck entgegentreten, es lohne sich, Deutsche zu entführen.

Bereits am 11. Juni hatten die Geiselnehmer einen Brief an den Bürgermeister der algerischen Stadt Illizi geschrieben und angeboten, über die Freilassung zu verhandeln. In dem Schreiben nannten sie eine Funkfrequenz und wiesen an: "Gebrauchen Sie den Rufnamen 'Faruk'". Der Brief kam erst Ende Juni an.

Wenig später ging bei der deutschen und der schweizerischen Botschaft in Algier ein Schreiben der Geiseln mit konkreten Forderungen ein: "Die Mudschahidin verlangen eine Summe von 45 Millionen Euro für unsere tatsächliche Freilassung. Wir bitten Sie, ihre Forderungen so bald wie möglich zu erfüllen, aber ohne den algerischen Staat oder das algerische Militär einzuschalten. Da die Situation sich wegen der Hitze und dem Mangel an Medikamenten verschlechtert, drängt die Zeit. Die Mudschahidin wünschen direkte Verhandlungen mit Deutschland, das als Vertreter der anderen Länder handeln wird."

Durch Verhandlungen malischer Mittelsmänner wurde diese Summe auf knapp fünf Millionen Euro gesenkt. Die von den Geiselnehmern erhobene Forderung nach freiem Geleit und Waffen ließ die Bundesregierung durch die Unterhändler ablehnen.

Bewacher lehnten mehr Wasser für die Geiseln ab

In einem ausführlichen Gespräch schildert unterdessen Rainer Bracht, 46, ehemalige Sahara- Geisel aus Detmold (Westfalen), erstmals die Umstände, unter denen die Augsburgerin Michaela Spitzer zu Tode gekommen ist. Gegen Ende Juni habe sich die Lage wegen starker Hitze und akutem Wassermangel verschärft, berichtet Bracht. Die Entführer hätten bei 50 Grad Celsius täglich nur mehr zwei Liter pro Geisel ausgeteilt.

Am 29. Juni sei Michaela Spitzer dann der Hitze erlegen. Zuvor soll sie die Bewacher noch um mehr Wasser gebeten haben, doch diese hätten die Bitte abgelehnt. Spitzer sei dann ins Koma gefallen und trotz intensiver Rettungsversuche gestorben. Ihre Begleiter begruben die 46-Jährige nachts im Licht der Autoscheinwerfer abseits der Piste. Das Grab mit einem Kreuz oder Steinen zu schmücken hätten die Entführer verboten.

Die Kidnapper hätten freimütig über ihre Pläne gesprochen. Ziel der Gefangennahme sei es demnach immer gewesen, Geld für Waffen zu erpressen, die in Niger für den Krieg gegen die algerische Regierung beschafft werden sollten. Das Versteck für die Geiseln sei sorgfältig vorbereitet gewesen. Die Terrorgruppe berichtete, sie habe sich 1998 von der GIA abgespalten. Bracht schildert die rund 40 Bewacher als freundlich und höflich. Immer wieder hätten sie versichert, dass sie den Geiseln keine Gewalt antun wollten.