Stars Ich war erfüllt von Wut
SPIEGEL:
Ms Harry, Sie sind in diesen Monaten in gleich zwei Kinofilmen zu sehen, in ein paar Wochen gibt es ein neues Blondie-Album und eine Tournee. Erleben Sie mit Ende fünfzig nun den zweiten Karriere-Frühling?
Harry: Sieht so aus. Aber was meine Chancen als Schauspielerin angeht, mache ich mir keine Illusionen. In meinem Alter ist man in Hollywood ziemlich abgemeldet. Mehr als Nebenrollen sind da nicht drin. Dabei träume ich davon, Doris Day zu spielen. Als Kind war sie eine große Tänzerin, doch nach einem schweren Unfall musste sie den Traum von der Tanzkarriere aufgeben. Stattdessen wurde sie Sängerin und Filmstar. Ich bewundere Menschen, die sich nicht beirren lassen und sich durchsetzen.
SPIEGEL: Stimmt es, dass Sie vor Ihrer Pop-Karriere als Teenager selber von Hollywood-Ruhm träumten?
Harry: Ja. Ich habe mir sogar als kleines Mädchen eingebildet, die Tochter von Marilyn Monroe zu sein, da ich wusste, dass meine Eltern mich adoptiert hatten. Ihr Image hat mich fasziniert, sie war heiß und sexy, charmant und lustig und wurde von allen bewundert. So wollte ich auch sein. Deshalb habe ich mir auch die Haare blondiert.
SPIEGEL: Was hat Sie am Kino gereizt?
Harry: Ich hoffte, dass die Schauspielerei mir helfen würde herauszufinden, wer ich bin. Ich war in meinem Leben lange von Wut erfüllt und fühlte mich unterdrückt. Diese Wut spürt man auch in alten Blondie-Songs. Und sie war auch ein Grund dafür, dass ich damals Drogen genommen habe. In den letzten Jahrzehnten habe ich gelernt, mit mir selbst besser zurechtzukommen.
SPIEGEL: In Jonas Åkerlunds Drogen-Drama "Spun", das gerade im Kino läuft, spielen Sie eine Nebenrolle. Empfanden Sie die Drogen-Welt als so irrsinnig, wie sie der Film schildert?
Harry: Das kommt schon hin. Ich habe damals nicht kapiert, mit welcher Irrsinnsgeschwindigkeit wir auf den Abgrund zurasten. Das begriff ich erst, als plötzlich die Hälfte meiner alten Freunde tot war. Heute weiß ich, dass ich mich glücklich schätzen kann, überlebt zu haben.