Wetter Tödlicher Sommer
Schlagzeilen über die Hitzetoten des "Jahrhundertsommers" täuschen darüber hinweg, dass auch Hitzeperioden in normal temperierten Sommern zu mehr Toten führen können. Die ersten wirklich validen Zahlen über die Opfer extremer Wärme in Deutschland hat der Freiburger Medizin-Meteorologe Gerd Jendritzky vom Deutschen Wetterdienst zusammengetragen. Für Baden-Württemberg hat er für die stärksten Hitzeperioden aus 30 Jahren die gefühlte Temperatur, die auch Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit berücksichtigt, mit der Anzahl der Verstorbenen verglichen und einen engen Zusammenhang nachgewiesen.
Im Mittel starben an Tagen mit stark erhöhter gefühlter Temperatur deutlich mehr Menschen als gewöhnlich. Nach der Hitzewelle sank die Sterblichkeit allerdings unter den Durchschnitt. Jendritzky: "Es sind also durch die Hitzewelle auch Menschen verstorben, die ohnehin in Kürze verstorben wären." Unterm Strich ergibt sich für Baden-Württemberg eine Zahl von durchschnittlich 180 Hitzeopfern, die ohne die große Wärme wahrscheinlich noch wesentlich länger gelebt hätten.
"Wäre die Hitzewelle in diesem Sommer bei uns nur ein wenig feuchter ausgefallen, hätten wir Opferzahlen wie in Frankreich bekommen", sagt Jendritzky, der nun ein Vorhersageverfahren für die Bundesrepublik entwickeln will.