UMWELT Lachs als Sondermüll
Wandernde Lachse verseuchen ihre eigenen Laichgründe mit
Industriegiften. Dieses Phänomen hat die deutsche Biologin
Eva Krümmel von der University of Ottawa zusammen mit ihren
Kollegen nun in acht scheinbar unberührten Seen Alaskas
nachgewiesen. Die Lachse schlüpfen in diesen Seen aus dem
Ei, wandern in den Pazifik und kehren nach einigen Jahren
zurück an den Ort ihres Ursprungs. Dort laichen sie und
sterben dann entkräftet. Von diesen Lachskadavern gehe
mittlerweile eine Umweltbelastung aus "wie von einer
Sondermüllverbrennungsanlage", berichtet Krümmel. Während
ihres Lebens im Pazifik verwandeln sich die Lachse nämlich
in lebende Schadstofftransporter: Sie reichern in ihrem
Fettgewebe polychlorierte Biphenyle und andere
Industriegifte an, und zwar in Konzentrationen, die
2500fach über der Belastung des Meerwassers liegen. Diese
Giftfracht wandert dann mit den Lachsen in die Seen: Dort
war die Konzentration an polychlorierten Biphenylen in den
Sedimenten bis zu zehnmal so groß wie in einem lachsfreien
See, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin
"Nature". Auch Vögel und andere Fische leiden unter dem
fischigen Sondermüll. Vor allem aber belasten die Lachse,
"biologischen Pumpen" gleich, ausgerechnet den Lebensraum
ihrer eigenen Brut mit
Umweltgiften.