USA / Großbritannien Bush und Blair auf Talfahrt
Im April, am Ende des Irak-Kriegs, lag Bushs Beliebtheit noch bei 71 Prozent. Der Abschwung setzte ein, als der US-Präsident eingestand, Amerika könne mit der Nachkriegslage im Irak nicht allein fertig werden. Dass Tag für Tag US-Soldaten Anschlägen zum Opfer fallen, dass die Wirtschaft lahmt und die Arbeitsmarktzahlen ungünstig sind, erhöht den Druck auf den Texaner.
Tony Blairs demoskopische Talfahrt beschleunigt sich ebenfalls. Laut "Guardian" sind inzwischen 61 Prozent aller Briten mit seiner Amtsführung unzufrieden; im April waren es erst 42 Prozent. Hauptgrund ist die Kelly-Affäre, die Blairs manipulative Propaganda für den Krieg offen legte. Blair beharrt weiterhin darauf, Massenvernichtungswaffen würden noch gefunden, doch nur noch 38 Prozent der Briten halten die Invasion für "gerechtfertigt" (April: 63 Prozent). Lediglich 30 Prozent finden ihren Premier weiterhin "vertrauenswürdig".
Die Legitimation des Irak-Kriegs bringt auch Bush in Bedrängnis. Der demokratische Senator Edward Kennedy geht am weitesten mit seiner Behauptung, der Krieg sei ein "Schwindel" gewesen und gerate nun zum "kolossalen Fehlschlag". Die Debatte dürfte Ende dieser Woche erneut aufleben, wenn der Bericht des CIA-Mitarbeiters David Kay veröffentlicht wird. Kay suchte mit einem 1200-Mann-Team im Auftrag Washingtons nach biologischen und chemischen Waffen im Irak und ging vor kurzem noch davon aus, es sei "sehr wahrscheinlich, dass wir auf bemerkenswerte Überraschungen stoßen".
Doch seine "Iraq Survey Group" dürfte die Hoffnungen im Weißen Haus und in Downing Street enttäuschen. "Die wesentliche Einschätzung, dass Saddam Hunderte Tonnen chemischer und biologischer Waffen bereithielt, war falsch", verlautete Ende voriger Woche aus US-Geheimdienstkreisen. Der Tenor des Berichts sei diesem Ergebnis angepasst: Saddam habe "die Absicht" gehegt, die Produktion von B- und C-Waffen mit dem Ende der Uno-Sanktionen wieder aufzunehmen.