Irak-Politik Annan knöpft sich Bush vor
Hamburg - "Niemand darf sich als bloßer Zuschauer gefallen", sagte Annan in einem SPIEGEL-Gespräch, ein Chaos im Irak "würde nicht nur den Frieden der Region bedrohen, sondern womöglich die gesamte Welt in ein Desaster stürzen".
Die Uno sei bereit, im Irak wieder eine Rolle zu spielen, sofern sich die Sicherheitslage dort bessere. Ein stärkeres Engagement der Weltorganisation macht nach Annans Überzeugung indes nur dann Sinn, wenn man mit einer provisorischen irakischen Regierung zusammenarbeiten könne. "Erst das Ende der Besatzung dürfte hier eine neue Dynamik auslösen."
Kritisch ging der Uno-Chef mit der Außenpolitik Washingtons ins Gericht. "Ich möchte nicht noch einmal die lähmende Spaltung der Weltgemeinschaft erleben, weil einige Staaten, darunter zwei Ständige Mitglieder des Weltsicherheitsrates, glauben, ohne Uno-Mandat im Alleingang Krieg führen zu können."
Sorge bereite ihm auch weiterhin das von der Bush-Regierung beanspruchte Recht zu präventiver Gewaltanwendung. "Wenn das bei anderen Ländern Schule macht, steuern wir auf eine Welt zu, in der das Gesetz des Dschungels herrscht." Im Verhältnis zwischen USA und Uno hätten sich Spannungen aufgetan, "die wir beseitigen müssen", forderte Annan. Die USA brauche die Uno, und die Uno brauche die USA "als ein wichtiges Mitglied, aber nicht als Solo-Akteur".