Fragwürdiger Anti-Terror-Einsatz Ungestrafte Hinrichtung?
Beim Sturm des Gebäudes starben 129 Besucher und 41 tschetschenische Geiselnehmer. Unter eigenartigen Umständen kam Mitte Dezember vergangenen Jahres auch der tschetschenische Journalist Chanpasch Terkibajew um - und damit einer der wichtigsten Zeugen: Ihm war kurz vor dem Sturm die Flucht aus dem besetzten Theater gelungen.
udem tauchte nun ein Video auf, das zusätzliche Fragen an den russischen Geheimdienst aufwirft. Der Streifen dokumentiert die Räumung des Theaters kurz nach dem Sturm am 26. Oktober 2002, 6.53 Uhr Ortszeit. Sichtbar wird, dass nicht nur die durch Kampfgas bewusstlos gewordenen Besucher ins Freie getragen werden, sondern dass Spezialkräfte mit weißen Armbinden auch einen Menschen in Handschellen aus dem Gebäude schleifen.
Anschließend zieht eine Frau eine Pistole und feuert gezielt auf die hilflose Person. Moskaus "Nowaja gaseta", das in Sachen Tschetschenien einzige noch regierungskritische Blatt, druckte die Sequenz auf drei vollen Zeitungsseiten ab und verlangte Aufklärung über diesen Fall von "Selbstjustiz" - und darüber, wer die vermutliche Hinrichtung angeordnet habe.
Auch das Komitee der "Nord-Ost"-Opfer forderte in einem offenen Brief an den Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, die "volle Wahrheit über die Tragödie" - eine Antwort blieb aus. Immerhin meldete sich bei der "Nowaja gaseta" nun ein Angehöriger der damals eingesetzten Spezialeinheiten. Die im Video zu sehende Person sei ein "auf frischer Tat ertappter Marodeur", erläuterte der Mann, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte. "Sie verstehen sicher - unsere Nerven waren damals angespannt, der aber plünderte", rechtfertigte der Zeuge seine Kollegin: Die habe ihn erschossen - "nichts Besonderes also".