Krebsvorsorge: "Wir brauchen einen McCancer" - DER SPIEGEL
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Krebsvorsorge "Wir brauchen einen McCancer"

Klaus Höffken, 56, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, beklagt im Vorfeld des 26. deutschen Krebskongresses in Berlin Mängel bei der Versorgung von Tumorpatienten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Wie gut ist die Versorgung deutscher Krebspatienten?

Höffken: Im europäischen Vergleich ist Deutschland bei sehr vielen bösartigen Erkrankungen nur noch Mittelmaß - und wir drohen noch weiter abzustürzen.

SPIEGEL: Um welche Bereiche geht es da?

Höffken: Im Grunde um alle Hauptkiller: um Brust-, Dickdarm- und Lungenkrebs. Weder die Früherkennung noch die Versorgung läuft optimal. Solange in Deutschland jedes kleine Krankenhaus Krebspatienten behandeln kann, wird sich das auch nicht ändern.

SPIEGEL: Was heißt das für die Heilungsraten?

Höffken: Wir können mit den Erfolgen in Holland, Skandinavien oder Großbritannien nicht mehr mithalten. Bei der Behandlung von Darmkrebs etwa hinken wir um 10 bis 15 Prozent hinterher.

SPIEGEL: Woran liegt's?

Höffken: Es fehlt an der Qualität der Kliniken und an der Qualifikation der Ärzte. Es wird vor allem viel zu wenig interdisziplinär gearbeitet. Radiologe, Pathologe, Internist und Chirurg müssen zusammenarbeiten. Bei uns versuchen noch immer zu viele im Einmann-Orchester zu spielen.

SPIEGEL: Sie fordern die Schaffung eines nationalen Krebsprogramms ...

Höffken: Ja. Ein zentrales Krebsinstitut müsste Normen und Therapiestandards setzen. 10 bis 15 überregionale Tumorzentren, die diesen Namen auch verdienen, müssten diese Normen umsetzen. Dazu kämen weitere wohnortnahe Versorgungsschwerpunkte. Auf der anderen Seite würde es Kliniken geben, die gar keinen Krebs mehr behandeln.

SPIEGEL: Und was hat der Patient davon?

Höffken: Was wir brauchen, ist eine Art "McCancer": Bei McDonald's bekommt man in Hamburg dasselbe Produkt wie in München oder sonstwo. Das muss für die Krebsbehandlung genauso gelten.