"Ich will nichts auf der Welt außer dir"
An den Anfang seines besten Romans "Der große Gatsby" (1925) hat Francis Scott Fitzgerald ein Gedicht gestellt, das sich wie eine poetische Gebrauchsanweisung zur Eroberung einer Frau liest: "Dann trag den goldenen Hut, falls sie das rührt; falls du hoch springen kannst, spring auch für sie. Bis sie ruft: Ich muss dich haben!"
Für den US-Autor Fitzgerald (1896 bis 1940) gab es vor allem eine Frau, eine Liebe: Zelda, die er 1918 umworben, 1920 geheiratet und ab 1930 langsam an den Wahnsinn verloren hat. Er, der wichtigste literarische Repräsentant des so genannten Jazz Age, trug für Zelda den goldenen Hut, und er sprang, so hoch er konnte: Er warf sich in glamouröse Posen, feierte mit ihr rauschende Feste, zog von New York nach Paris, dann an die Riviera und wieder zurück. Er zahlte ihr später - da war er selbst längst Alkoholiker - monatelange Klinikbesuche. Er kämpfte um ihre Liebe und um ihren Verstand und beförderte doch mit dem ganzen Einsatz seines Herzens nur ihr Unglück.
Denn Zelda erwiderte zwar das Begehren ihres Mannes, aber sie wollte auch Eigenes schaffen, nicht nur über ihren Mann wahrgenommen werden. Also schrieb sie selbst Erzählungen und einen Roman ("Darf ich um den Walzer bitten", 1932). Sie versuchte auch eine späte Karriere als Ballerina und verausgabte sich damit zu sehr.
Die fatale Logik dieser imposant-impulsiven Liebesgeschichte lässt sich jetzt in dem mitreißenden Buch "Lover!" nachlesen, einer Ausgabe der Briefe, die das Paar geschrieben hat - oder vielmehr derjenigen, die erhalten sind.
"Ich will nichts auf der ganzen Welt außer dir", schrieb Zelda 1919 an ihren Scott, doch schon bald verdüsterte sich der Ton, die Kehrseite ihrer Leidenschaft kam hervor: Beide gaben sich mit gleicher Intensität nicht nur ihrer Liebe, sondern auch ihrer Arbeit hin. Es blieb nicht aus, dass sie miteinander konkurrierten. Der Roman seiner Frau, so schrieb Scott an eine Ärztin, sei nichts weiter als ein Abklatsch seines Stils, "in Rhythmus, Stoff, selbst in Aussagen und Dialogen".
Scott und Zelda Fitzgerald hatten sich, das zeigen die Briefe auf beklemmende Weise, früh verbraucht. Scott litt an Schreibhemmungen und starb 1940 mit nur 44 Jahren an einem Herzinfarkt. Zelda starb gut sieben Jahre später beim Brand einer psychiatrischen Klinik. Sie wurde 48 Jahre alt.
SUSANNE BEYER
F. Scott und Zelda Fitzgerald: Lover! Aus dem Englischen von Dora Winkler. Deutsche Verlagsanstalt, München; 272 Seiten; 19,90 Euro.