Zwei Hitzköpfe suchen das Paradies - DER SPIEGEL
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Zwei Hitzköpfe suchen das Paradies

Mario Vargas Llosa verknüpft in seinem neuen Roman die Biografie des Malers Gauguin mit der seiner emanzipierten Großmutter Flora Tristan.
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Als die Französin Flora Tristan 1844 im Alter von 41 Jahren starb, war sie eine Berühmtheit - dank ihres ungewöhnlichen, für eine Frau geradezu unziemlichen Weltverbesserungsdrangs und ihrer Abenteuerlust. In ihren Büchern hatte sie beschrieben, wie sie allein nach Peru, ins Land ihres Vaters, gereist war, oder wie sie als Mann verkleidet die Schrecken der Armut, Kinderarbeit und Prostitution im Industriemoloch London beobachtet hatte. Zur ewigen Legende wurde Tristans Enkel, der erst Jahre nach ihrem Tod zur Welt kam: Es handelt sich um den Draufgänger, spät berufenen Maler und Südsee-Aussteiger Paul Gauguin (1848 bis 1903).

Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, 67, verknüpft in seinem Roman "Das Paradies ist anderswo" die aufregenden Lebensgeschichten von Großmutter und Enkel. Penibel hat Vargas Llosa die Quellen recherchiert. Er schreibt gewohnt lebendig, enthält dem Leser wenig vor - und schönt doch liebevoll.

Nonchalant, mit nur leiser Distanz (etwa, wenn er Tristan mit "Ach, Florita!" mahnend oder mitleidig anspricht) streift er durch die Biografien. Die dunklen Eigenschaften Gauguins - seine Leidenschaft für Kindfrauen, sein fast wahnhafter Egoismus - erscheinen wie nebensächliche Spleens. Der Dramaturgie zuliebe werden Parallelen konstruiert: Zwei Hitzköpfe entwickeln sich zu unangepassten Helden, die ihr Dasein einer Mission unterordnen. Flora Tristan wollte jegliche Form der Ausbeutung (sowie die Korsetts) abschaffen und die Gesellschaft erneuern, Gauguin die Kunst revolutionieren. Dem gewieften Erzähler ging es augenscheinlich darum zu zeigen, wie hoch der Preis für den Nachruhm ist. Letztlich jagte Tristan dem Traum von Glück und Erfüllung ebenso vergeblich nach wie ihr Enkel.

ULRIKE KNÖFEL


Mario Vargas Llosa: Das Paradies ist anderswo. Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; 496 Seiten; 24,90 Euro.