Intimes vom Poltergeist - DER SPIEGEL
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Intimes vom Poltergeist

Kauzige Liebesbriefe des Zeichners Horst Janssen zeigen den Bild-Erfinder als egomanischen Wortzauberer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seine Zeichenkünste begeistern seit langem eine große Sammlerschar, seine privaten Poltereien und Exzesse sind Legende. Und auch als begnadeter Wortspieler ist der schaffensbesessene Horst Janssen (1929 bis 1995) in guter Erinnerung. Doch die intimen Botschaften dieses wunderbaren Bandes waren auch Eingeweihten bislang unbekannt: Gesche Tietjens, Künstlerin und von 1969 an rund vier Jahre, wie sie es nennt, in "Fusion mit Janssen" (wozu auch der gemeinsame Sohn Adam zählt), hat Briefe, Lebenszeichen und Bilder von damals liebevoll zu einem Buch der Erinnerung gebündelt. Was "Pat" - so ihr Name für den autokratischen, versoffenen, liebeshungrigen Freund - seiner "Panne" grüblerisch, aufbrausend und grafisch versponnen zuspielt, ist oft nur bei lautem Lesen ganz zu begreifen. Dann aber werden daraus die schönsten Kurzmonologe der Liebe, die seit geraumer Zeit in deutscher Sprache gedruckt worden sind - und selbst dass es nicht gut ausgehen kann mit den beiden, rundet nur das Bild. Das Vorwort würdigt den schnodderigen Genialissimus überdies in einer Prosa, vor der auch Janssen selbst ergeben die Kappe gezogen hätte.

JOHANNES SALTZWEDEL


Horst Janssen: "Ach, Liebste, flieg mir nicht weg". Briefe an Gesche. Hrsg. von Gesche Tietjens. Rowohlt Verlag, Reinbek; 256 Seiten; 22,90 Euro.