Chronobiologie: "Mehr Verkehrsunfälle" - DER SPIEGEL
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Chronobiologie "Mehr Verkehrsunfälle"

Jürgen Zulley, 58, Schlafforscher am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg, über Probleme bei der Umstellung auf die Sommerzeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Ist der Wechsel auf die Sommerzeit, bei dem vergangenen Sonntag die Uhren eine Stunde vorgestellt wurden, ein Anschlag auf unsere Gesundheit?

Zulley: Er führt zumindest zeitweilig zu einer Beeinträchtigung von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.

SPIEGEL: Stimmt es, dass an den Tagen danach mehr Unfälle passieren?

Zulley: Untersuchungen haben gezeigt, dass es am Montagvormittag nach der Umstellung vermehrt zu Verkehrsunfällen kommt. Aus Berichten und Erzählungen wissen wir, dass sich viele Menschen für ein, zwei Tage sehr eingeschränkt fühlen. Unsere innere Uhr ist nun einmal eher träge, sie lässt sich nicht so leicht verstellen.

SPIEGEL: Warum mag es der körpereigene Taktgeber nicht, wenn ihm eine Stunde geklaut wird?

Zulley: Weil er am liebsten sogar eine Stunde länger laufen würde. Das merkt man bei der Rückumstellung im Herbst. Da haben wir einmal im Jahr einen 25-Stunden-Tag, der genau mit dem Rhythmus unserer inneren Uhr übereinstimmt, wie wir ihn aus vielen Experimenten unter Isolationsbedingungen kennen. Dieser in uns programmierte 25-Stunden-Tag wird im Alltag nur durch das Sonnenlicht jeden Morgen auf 24 Stunden korrigiert. Bei einer Stunde Differenz klappt diese Synchronisierung von innerer und äußerer Uhr noch. Aber zwei Stunden, wie bei der Umstellung auf die Sommerzeit, sind für den endogenen Taktgeber einfach zu viel. Die künstliche Einführung der Sommerzeit ist wie ein Mini-Jetlag unter erschwerten Bedingungen - wir muten dem inneren Rhythmus eine Verschiebung zu, ohne dass sich die Lichtverhältnisse draußen verändern.

SPIEGEL: Würde es helfen, am Abend vor der Umstellung eine Stunde früher schlafen zu gehen?

Zulley: Nein, weil sich der biologische Rhythmus dadurch noch nicht verändert. Man würde höchstens wach liegen und zum bisher gewohnten Zeitpunkt einschlafen. Sinnvoller wäre es, mehrere Tage hintereinander jeweils 20 oder 30 Minuten eher ins Bett zu gehen, die Hauptmahlzeiten entsprechend zu verschieben und den Tag zeitiger zu beginnen.