Internet: Party-Literaten - DER SPIEGEL
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Internet Party-Literaten

Lesefaule Literaturliebhaber müssen sich nicht mehr durch Hunderte Seiten Dostojewski quälen, um auf der nächsten Party über "Schuld und Sühne" diskutieren zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im englischsprachigen Internet-Forum "I love books"  überbieten sich die Teilnehmer mit Kurzzusammenfassungen der weltliterarischen Klassiker. Die Vorgabe ist simpel: In maximal 25 Worten muss das Buch erzählt sein. Die Fans der ständig wachsenden Minimalisten-Anthologie machen weder vor der Bibel noch neueren Werken wie den "Harry Potter"-Büchern halt. Dabei entsteht zwar eine Menge Unsinn, zum Teil werden aber auch die dicksten Wälzer recht treffend auf den Punkt gebracht. Über Tolkiens monumentale Hobbit-Saga "Herr der Ringe" heißt es etwa: "Kleine Leute geraten in große Schwierigkeiten, während sie gestohlenen Schmuck loswerden wollen." Die schönsten Beiträge kommen oft mit einem Bruchteil der geforderten Länge aus. Lediglich drei Worte reichen für Samuel Becketts absurdes Stück "Warten auf Godot": "Nichts passiert. Zweimal."