Mobilfunk: Peepshow fürs Handy - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mobilfunk Peepshow fürs Handy

Die Teilnehmer vereinbarten Diskretion, entsprechend schamhaft rücken sie mit Details über das Geheimtreffen Ende April in Amsterdam heraus. In der für leichten Lebenswandel bekannten Stadt verhandelten Spitzenmanager europäischer Mobilfunkanbieter mit Pornofilmproduzenten und Betreibern von Erotikshops über künftige Allianzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit diesem Sex-Bündnis soll die Erfolgsgeschichte erotischer Internet-Angebote im Mobilfunkmarkt fortgeschrieben werden. "Die großen Investitionen in die Breitbandtechnik UMTS müssen schließlich wieder hereingeholt werden", sagt Berth Milton, dessen Firma bei dem klandestinen Treffen dabei war. Der Chef des Porno-Anbieters "Private Media Group" hat bereits 23 Verträge mit einigen der weltweit größten Netzbetreibern unterzeichnet. Namen darf er nicht nennen.

Das Potenzial für das Geschäft mit dem kabellosen Cyber-Sex scheint riesig: Das Marktforschungsunternehmen Gartner beziffert die Umsätze in Westeuropa schon für das kommende Jahr auf 1,2 Milliarden Euro. In Deutschland gibt es bereits "Playboy"-Videos zum Herunterladen, und künftig soll es noch härter auf dem Display zugehen.

Am offensivsten hat bislang Vodafone den Wachstumsmarkt penetriert: "Wir bringen derzeit ein Jugendschutzsystem zur Marktreife", sagt Konzernsprecher Jens Kürten, "erst dann ließen sich auch Inhalte verbreiten, die erst ab 18 Jahren zugelassen sind." Konkurrent O2 aus München arbeitet an einer ähnlichen Vorrichtung. Schon die heute verbreiteten, eher züchtigen "Nacktbilder" würden, so bestätigt O2-Sprecherin Christine Knoepffler, "sehr, sehr gut laufen".