Film: In Harmonie ertränkt - DER SPIEGEL
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Film In Harmonie ertränkt

Emanzipation als Farce: Hollywood macht aus dem Thriller "Die Frauen von Stepford" eine Komödie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Mann steht zu seiner Frau: Walter Eberhart (Matthew Broderick) kündigt seinen Job im mittleren Management eines New Yorker Fernsehsenders - weil dieser Sender seine ehrgeizige Gattin Joanna (Nicole Kidman) vom Chefsessel geschubst und auf die Straße gesetzt hat. Das Ehepaar zieht aufs Land, in die schmucke Neu-England-Kleinstadt Stepford, Connecticut. Für Joanna, die Ex-Karrierefrau, eine befremdliche Welt: Die Damen von Stepford sehen aus wie Barbie-Puppen, haben in etwa deren Wortschatz und lesen ihren Männern jeden Wunsch von den Augen ab.

"The Stepford Wives" sind in den USA sprichwörtlich - seit dort 1972 der gleichnamige Thriller erschien und kurz darauf zum ersten Mal verfilmt wurde. Die Stepford-Frauen waren von ihren Männern umgebracht und ausgetauscht worden gegen identisch aussehende Roboter, die perfekt als Hausmütterchen und Sexspielzeuge funktionierten; Emanzipation fehlte im Programm.

Das Ganze war, natürlich, eine Männerphantasie (von Romanautor Ira Levin); zumindest dabei ist es geblieben: "Die Frauen von Stepford" des Jahres 2004 (Deutschland-Start: 15. Juli) verdanken ihr Leben den Herren Scott Rudin (Produktion), Paul Rudnick (Drehbuch) und Frank Oz (Regie), im doppelten Sinne des Wortes.

Denn in dieser komödiantischen Version des Stoffes sind die Frauen nicht tot; ihre Ehemänner haben ihnen nur ein paar Kontroll-Platinen ins Hirn gepflanzt. Die Damen - schön, unterwürfig, glücklich - gehorchen nun aufs Wort oder wenigstens auf den Tastendruck der Fernbedienung; es gibt sogar einen Aus-Knopf und deshalb niemals Zoff im frisch geputzten Puppenheim.

Der Fünfziger-Jahre-Geist des Ortes steckt die frustrierten Neubürger aus New York an: Joanna fängt freiwillig an zu backen und zu putzen, wohlwollend beobachtet von der Über-Hausfrau Claire (Glenn Close); Walter geht in den Männer-Club, wo er mit seinen neuen Nachbarn - zur Arbeit muss hier offenbar niemand - in Ruhe Sport guckt und Whiskey trinkt. Bald beginnt er zu ahnen, wie pragmatisch sich das Rätsel Weib lösen lässt.

Und wenn die Stepford-Frauen nicht gestorben sind, dann putzen sie noch heute? Zum Filmende hin werden nach und nach all die wunderschönen bösen Wahrheiten der Geschichte - Männer sind Schweine, Frauen sind auch nicht besser, das würzt das Zusammenleben - kassiert und in Harmonie ertränkt. Was als grelle Farce begann, mündet in einen Appell ans Wahre und Gute. Diesen Drehbuch-Dreh muss sich irgendein männlicher Roboter ausgedacht haben.

MARTIN WOLF