Trickbetrüger Klüger werden mit Bob Arno
SPIEGEL:
In Ihrem Buch "Travel Advisory!" verraten Sie die Tricks von Taschendieben und Straßenbetrügern. Wie kann man sich als Tourist vor ihnen schützen?
Arno: Es kommt darauf an, wo man hinreist. Die Trickdiebe in Afrika haben einen anderen Stil als die in Europa. Das Wichtigste ist, dass man sich bewusst ist, dass es überall passieren kann. Aber wenn man nur ein wenig aufpasst, sind die Chancen, plötzlich ohne Geldbörse dazustehen, minimal. Wer allerdings immer noch glaubt, dass ein Brustbeutel sicher ist, oder wer seine Handtasche in einer Bar in Rom über den Stuhl hängt, der hat es auch nicht anders verdient.
SPIEGEL: Für wen arbeiten Sie?
Arno: Für Touristikfirmen und große Konzerne im Ausland. Ich gebe Seminare und trete in TV-Shows als Trickdieb auf. Mein Vorteil ist, dass ich diese Spezies schon seit über 40 Jahren beobachte und 50 Länder im Jahr bereise. Manchmal lasse ich mich auch bestehlen, um Diebe kennen zu lernen.
SPIEGEL: Wie stellen Sie das an?
Arno: Ich lasse mir eine mit Zeitungspapier gefüllte Brieftasche klauen. Danach verfolge ich den Dieb und warte auf einen guten Moment, um ihn anzusprechen, oder ich überrasche ihn und stehle mir meine Geldbörse zurück. Die meisten guten Taschendiebe sind harmlos, nett und eitel - manche sogar so eitel, dass sie mit mir einen Kaffee trinken und erzählen, was mit den gestohlenen Kreditkarten passiert. Im Gegenzug verrate ich ihnen, welche Trends ich in anderen Ländern beobachte.
SPIEGEL: Wer sind die größten Profis?
Arno: Die Albaner haben Fähigkeiten, da komme selbst ich nicht mit. Innerhalb von Sekunden taxieren sie ihr Opfer, erkennen, wo die Brieftasche sitzt, laufen in die Person rein, entschuldigen sich und entfernen sich dann - mit der Brieftasche. Ein perfektes Zusammenspiel aus Technik, Timing und Psychologie.