Fernsehen TV-Vorschau
Die gekaufte Freiheit
Montag, 21.45 Uhr, ARD
Heimlich betrieben die beiden deutschen Staaten zwischen 1964 und 1990 einen institutionalisierten Menschenhandel. Gegen Diamanten, Erdöl, Südfrüchte und Devisen erkaufte die BRD mehr als 33 000 politischen Häftlingen aus der DDR die Freiheit. Jürgen Ast zieht mit seinem Dokumentarfilm eine spannende Bilanz des deutsch-deutschen Deals, lässt die Häftlinge von damals, Hintermänner und ehemalige Mitarbeiter von CIA, KGB und Stasi über die Anfänge berichten. Ein zweiter Teil in der kommenden Woche beleuchtet die menschlichen Exporte von 1973 bis zum Sturz Erich Honeckers. Der letzte freigekaufte Häftling verließ im Dezember 1989 das Gefängnis, pünktlich vor der Öffnung des Brandenburger Tors.
Hunger auf Leben
Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
Wer das Stück auf Arte verpasst hat, sollte es sich jetzt ansehen: Die TV-Lebensgeschichte der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann, die 1973 an Krebs starb, gehört zum Besten, was das Fernsehen in letzter Zeit zu bieten hatte. Nach einem Buch von Scarlett Kleint schuf Regisseur Markus Imboden einen historisch stimmigen Film mit einer überragenden Martina Gedeck in der Hauptrolle. Wer Reimanns Bücher nicht kennt, bekommt Lust auf Lektüre - TV und Literatur in perfektem Zusammenspiel.
Für immer im Herzen
Freitag, 20.15 Uhr, ARD
Titel und Herstellerfirma, die ARD-Tochter Degeto, wecken Befürchtungen, hier könnte es vor Schmalz und Kitsch nur so triefen. Doch nichts davon geschieht. Selten war Natalia Wörner so präzise zu sehen wie in diesem ernsten Stück (Buch: Martin Rauhaus, Carola Wedel). Ein Junge (Patrick Baehr) erkrankt an Krebs, die Tante (Wörner), eine viel beschäftigte Verlagsfrau, muss sich um ihn kümmern, weil die Mutter des Jungen (Julia Jäger) den Belastungen nicht gewachsen ist und der Großvater (Hanns Zischler) sich nach Florida absetzt. Überforderung, emotionale Verantwortungslosigkeit und die Rücksichtslosigkeit der Berufswelt angesichts von Ausnahmesituationen sind die Themen dieses eindrucksvollen Films, den Miguel Alexandre inszeniert hat, ein junger Regisseur, dessen Karriere mit dem TV-Melodram "Nana" begann, in dem es auch um den Krebstod eines jungen Menschen ging.
Unter Verdacht - Beste Freunde
Freitag, 20.40 Uhr, Arte
Eva Maria Prohacek (Senta Berger) fahndet in den Reihen der
Polizei nach schwarzen Schafen. Liebhaber der
Unter-Verdacht-Stücke, die bereits mehrere Grimme-Preise
abgeräumt haben, kennen die resolute Frau, die sich durch
den Druck der Kollegen, allen voran durch den ihres
schleimigen Vorgesetzten Reiter (Gerd Anthoff) nicht
einschüchtern lässt. Verlassen kann sich Prohacek im
Haifischbecken der auf Corpsgeist eingeschworenen
Polizeitruppe - nichts halten deren Mitglieder für
verachtungswürdiger als Nestbeschmutzung - nur auf ihren
Kollegen Langner (Rudolf Krause), in seiner absonderlichen
Schratigkeit eine der besten Figurenerfindungen im
deutschen TV-Krimi. In dieser Episode geht es um eine aus
den Fugen geratene Zielfahndungsgruppe, die dem
kryptofaschistischen Einfluss ihres Vorgesetzten
(Aleksandar Jovanovich) erliegt. Franz Schweer (Buch) und
Uwe Frießner (Regie) halten das Niveau der Reihe
hoch.