KULTURPOLITIK Verschatteter Triumph
Wenn Paul McCarthy zuschlägt, dann spritzt schon mal -symbolisch - so richtig viel Blut. Der amerikanischeKünstler, der seine Schandtaten auf Video aufnimmt, ist derBrutalo seiner Branche. Gern setzt er sich Masken auf,zieht die Hosen herunter, zerlegt ganze Interieurs,zerhackt (künstliche) Finger oder schmiert wild mit Ketchupund Sirup herum. Je ekliger das Schauspiel wirkt, destobesser.Der Mann, 59, ist einer der Lieblinge von Sammlernzeitgenössischer Kunst. Wenn Friedrich Christian - genanntMick - Flick demnächst in Berlin seine Sammlungpräsentiert, dann steht eine von McCarthys wüstgesellschaftskritischen Videoskulpturen "an zentralerStelle".Milliardär Flick, 59, bis vor einigen Jahren eher alsLebemann bekannt, wird sich durchaus als Freund radikaleroder zumindest schillernder Weltverbesserungskunsterweisen. Dem Künstler Bruce Nauman, der in hübschleuchtenden Neoninstallationen Gewalt und Unterdrückunganprangert, soll "ganz bewusst" die größte Flächeeingeräumt werden. Am 22. September wird die "FriedrichChristian Flick Collection" in einer umgebautenSpeditionshalle neben dem Museum Hamburger Bahnhoferöffnet. Flick stellt für sieben Jahre mehr als 2000 Werkezur Verfügung, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dieFläche und kuratorische Kompetenz. Bis 23. Januar zeigt maneine erste Auswahl von 400 Werken.Dass die Kollektion umstritten ist und von ihren Kritikernals "Blutkunst" verteufelt wird, das hat wenig mit denWerken und viel mit ihrem Besitzer zu tun. Kein anderesThema hat die Feuilletons zuletzt so beschäftigt wie derWunsch des in der Schweiz ansässigen Flick, sich in Berlinals Übersammler feiern zu lassen.Die Kritik zielt auf Flicks alte Weigerung, in denEntschädigungsfonds für Zwangsarbeiter einzuzahlen. Dazuwar er 2001 aufgefordert worden: als Erbe einesMillionenvermögens, das ihm sein Großvater Friedrich Flickvermacht hatte. Flick