Klima: Pinie aus dem Eis - DER SPIEGEL
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Klima Pinie aus dem Eis

Wie Entdecker eines Goldschatzes kamen sich die Klimaforscher auf Grönland vor, als in diesem Sommer ihr Eisbohrer aus dreitausend Meter Tiefe auftauchte: Im letzten Eiskern, unmittelbar oberhalb vom felsigen Grund der arktischen Insel entnommen, fanden sie eine komplett erhaltene Piniennadel.
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"Sie muss aus der Zeit stammen, als Grönland noch von dichten Wäldern bedeckt war", erklärt Heinz Miller, Chefglaziologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, "und das war vor über zwei Millionen Jahren." Für Paläobiologen ist der Fund eine Sensation; denn zumeist finden sie alte Pflanzenstücke aus dieser Zeit nur fossiliert vor. "Diese Nadel ist im Eis einfach eingefroren und bestens konserviert", so Miller, der als Leiter des Europäischen Eisbohrprogramms Epica nun darüber mitentscheidet, wer das wertvolle Stück analysieren darf.

Das Erbmaterial der Nadel könnte den Wissenschaftlern eine Zeitreise in die Vegetation des vorglazialen Grönlands ermöglichen. Aus der DNS ließe sich die Verwandtschaft des prähistorischen Nadelgewächses mit heutigen Arten bestimmen. Neben dem überraschenden Fund verhilft der Kern den Forschern zu weiteren Erkenntnissen, die Miller und sein Team nun im Fachblatt "Nature" vorstellen.

So haben die Klimatologen erstmals den kompletten Eisbohrkern ausgewertet, der aus einer Zeit von bis vor 123 000 Jahren stammt. Damals, im so genannten Eem, herrschte wie heute eine Warmzeit - allerdings lag die Durchschnittstemperatur damals zwei bis fünf Grad höher.

"Zu unserer Überraschung konnten wir aus dem Eiskern rekonstruieren, dass diese Warmzeit stabiler war als gedacht", sagt der Forscher. Auch der Übergang in die Kaltzeit verlief sanft und nicht abrupt. "Die Abkühlung zog sich über mehrere tausend Jahre hin", so Miller. Spuren für einen plötzlichen Temperatursturz, wie er im Hollywood-Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" gezeigt wurde, haben die Forscher jedenfalls nicht entdeckt.