Alexander McCall Smith Miss Marple für Akademiker
Sie ist finanziell und geistig unabhängig, gibt in Edinburgh die nicht sehr erfolgreiche "Zeitschrift für angewandte Ethik" heraus und betätigt sich aus Zufall und angeborener Neugier als Detektivin. Denn als Isabel Dalhousie ein Gastspiel der Reykjavíker Symphoniker in der Usher Hall besucht, muss die Junggesellin erleben, wie nach dem Konzert ein junger Mann vom Rang in das Parkett zu Tode stürzt. Unfall oder Mord? Die Polizei kann den Sachverhalt nicht klären.
Nun macht sich die Philosophin Isabel selbst auf die Suche nach der Wahrheit und forscht beharrlich im Privatleben des verstorbenen Anlageberaters und seiner Freunde.
Was wie die ungezählte Wiederholung eines ausgeleierten Krimi-Musters klingt, ist in dieser Variante hingegen eine überaus skurrile Geschichte, erzählt mit maliziösem Humor und einer unaufdringlich dosierten Portion philosophisch unterfütterten Bildungsguts.
Geschrieben hat das Buch - mit dem uneleganten deutschen Titel "In Edingburgh ist Mord verboten" - der Brite Alexander McCall Smith, 56, der an der Universität von Edinburgh als Professor Medizinrecht lehrt. Es soll das erste einer Serie sein. Wenn die folgenden Titel um die originelle Miss Marple für Akademiker auf diesem Niveau bleiben, können sich anspruchsvolle Krimi-Freunde auf lohnende Langzeitlektüre freuen.
JOACHIM KRONSBEIN
Alexander McCall Smith: In Edinburgh ist Mord verboten Aus dem Englischen von Thomas Stegers. Karl Blessing Verlag, München; 288 Seiten; 16 Euro