Mittlerer Osten Uno-Chefwaffeninspekteur drängt USA zu Verhandlungen mit Iran
"Wir brauchen eine gemeinsame Front. Es geht den Iranern erkennbar um mehr militärische Sicherheit, um wirtschaftliche Erleichterungen und Technologietransfers: Fortschritte sind da ohne Washington schwer vorstellbar", sagte er dem SPIEGEL. Baradei erklärte, technisch sei Iran in der Lage, innerhalb von zwei bis drei Jahren die Bombe zu bauen. "Sie haben ohne Zweifel das Know-how und die industrielle Infrastruktur." Ein Militärschlag gegen die Atomanlagen werde das Problem nicht lösen. "Nach einem Angriff würden die Iraner sicher in den Untergrund gehen und so gezielt wie möglich eine Waffe herstellen."
Im Zusammenhang mit der aktuellen Atomkrise in Nordkorea bot Baradei seine Vermittlung an: "Ich bin äußerst besorgt. Wenn es einer besonderen Geste bedarf: Ich bin bereit, selbst dorthin zu fahren." Das Regime, so der IAEA-Chef, betrachte "die Atombombe offensichtlich als seine einzige Trumpfkarte für Verhandlungen". Baradei forderte im SPIEGEL-Interview dringend eine Verschärfung des Atomwaffensperrvertrags. "So geht es nicht mehr weiter. Jeder will im Kreis der Big Boys mitspielen, und zu den großen Jungs gehört nur, wer atomares Spielzeug hat. Auch al-Qaida will die Bombe. Ich drücke die Daumen, dass dieses Szenario nie eintritt." Ein "Dammbruch in Sachen Atomwaffen", warnte der Ägypter, sei möglich: "Die Welt, die wir kennen, würde einen solchen von Menschenhand bewirkten Tsunami nicht überstehen."
Der IAEA-Chef will trotz des erbitterten Widerstands der USA für eine dritte Amtszeit kandidieren: "Ich glaube, dass sehr viele Staaten hinter mir stehen." Baradei beklagte, dass gegen ihn eine "Schmutzkampagne" laufe: "In der Art, ein Ägypter kann gegenüber islamischen Staaten nicht unparteiisch sein und verrät denen alle Geheimnisse." Zu Meldungen, nach denen US-Geheimdienste sein Telefon abhören, sagte er: "Ich habe beruflich nichts zu verbergen. Aber angenehm ist es nicht, wenn sie offensichtlich nicht einmal mit Ihrer Frau privat telefonieren können."