Sachbuch: Recht auf Revolution - DER SPIEGEL
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Sachbuch Recht auf Revolution

Dietmar Schönherr, 79, Moderator, Schauspieler und Entwicklungshelfer, über Revolutionen in Lateinamerika und Heinz G. Schmidts Buch "Adiós Revolución" (Herder Verlag)
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Adiós ist das spanische Abschiedswort, bedeutet aber, genau übersetzt, "Gott befohlen", und das ist alles andere als ein Abschied. Alle von Schmidt zu den Revolutionen in Lateinamerika Befragten räumen in "Adiós Revolución" das Scheitern ihrer Bemühungen ein, sind aber dennoch überzeugt, dass der Versuch richtig war. Ich kann Revolution nur aus meiner eigenen nicaraguanischen Erfahrung beurteilen und kenne daher den Unterschied zwischen der blutigen Realität und Ernesto Cardenals eschatologischer Utopie von einer gerechten Gesellschaft. Nach dem Scheitern einer Revolution werden sich die Menschen, die sich gestern in den Haaren lagen, ganz bestimmt noch weniger lieben. "Gott befohlene Revolution" ist deshalb ein guter Titel, weil die Unterdrückten und "Beladenen" immer wieder für ihre Rechte kämpfen werden, auch dann, wenn Gottes Reich als absolute Utopie niemals völlig erkämpft werden wird. Ich selbst - besonders nach der Lektüre von Schmidts Buch - stehe Revolutionen skeptisch gegenüber; ich verabscheue Gewalt. Wer aber den "gerechten Krieg" akzeptiert, und das tun sehr viele Menschen, sollte auch Gewalt gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung, also gegen despotische Systeme, als gerecht ansehen. Für noch mehr Menschen ist Jesus einer der größten Revolutionäre, dessen gewaltloser Kampf durch Gewalt endete. In diesem Sinne ist es ein politisches, aber auch ein tiefreligiöses Buch; es öffnet dem Leser die Augen, wenn er sie nicht schon vorher offen hatte, und verschließt sie ihm gleich wieder, weil Tränen der Trauer und Wut unweigerlich in ihm aufsteigen.