Medienjahr 2005: D wie "Dittsche" - DER SPIEGEL
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Medienjahr 2005 D wie "Dittsche"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

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"DEEP THROAT": Hieß nicht nur ein Pornofilm im Frühjahr 1972, sondern kurz darauf auch die anonyme Insiderquelle der Watergate-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward. Jahrzehntelang wurde in Journalistenkreisen ein Mordsgewese um D. gemacht, der sich dieses Frühjahr selbst outete - als damals beleidigter FBI-Vize Mark Felt. Jetzt ist auch die wackelnde Legende Woodward beleidigt, weil "Deep Throat" den Hals nicht voll genug bekommt und die eigene Geschichte ohne ihn vermarktet.

"DESPERATE HOUSEWIVES" (gesprochen: Däsprät Hausouaifs): Preisgekrönter US-Serien-Nachfolger von "Sex and the city". Hier: Probleme verzweifelter Hausfrauen mit Blagen, Gatten, Gärtnern, Leichen.

"DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR" ("DSDS"): Lustigste Lüge der jüngeren TV-Geschichte, denn die Superstars der bisherigen zwei Staffeln halten sich inzwischen eher mit Möbelhaus-Autogrammstunden über Wasser. Oder kann sich jemand an Alexander Klaws und Elli Erl erinnern? Einziger Überlebender: "Pop-Titan" ("Bild") und Juror Dieter Bohlen, der in der dritten Staffel nun wieder kleine Mädchen quält, die wie er nicht singen können.

"DITTSCHE": Olli Dittrich als bademanteliger Verlierer, der uns aus einer Hamburger Imbissbude und der Nische des ewigen Geheimtipps heraus die Welt erklärt. So schön kann -> Reality-TV  sein.

DIVERSIFIKATION: Marketing-Sprech von TV-Managern für: Cash heiligt die Mittel. Besonders beliebt als zusätzliche Erwerbsquelle: Teleshopping, Hotline-Abzocke, ->Klingeltöne  und Kaffeebecher-Merchandising.

"DU BIST DEUTSCHLAND": So heißt eine Mutmach-Kampagne, an der sich alle großen Sender und Verlage von -> Springer  bis Bertelsmann beteiligten. Es geht irgendwie darum, dass jeder Beate Uhse sein kann oder Michael Ballack, auch wenn man das vielleicht gar nicht will. Höhepunkt der Diskussion: die Entdeckung, dass die Parole schon in den dreißiger Jahren von den Nazis genutzt wurde.

DVD: Silberscheibchen, das nach dem Kino auch das Fernsehen umzukrempeln beginnt. Zeitunabhängig, originalversionsfähig, werbefrei. Deshalb sehen viele nicht mehr nur Filme auf D., sondern auch Fernsehserien. Für -> Kinos  und werbeabhängige Privatsender allmählich ein Problem.

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