Medienjahr 2005 T wie Telenovela
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"TALK DER WOCHE": war auf Sat.1 der seit langem erste Versuch eines Privatsenders, so etwas wie politischen Journalismus zu probieren. Moderation: Bettina Rust. Gäste: Leute, die selbst bei N24 abblitzen. Quoten: miserabel. Ende: nach zehn Folgen. TALKSHOWS, die: TV-Genre. Beliebtestes Bedeutungsplacebo für geckernde Kopfnicker wie Reinhold Beckmann, vor allem aber Politiker jeder Couleur. TELENOVELA, die: Erfolgreicher Versuch, mit dem Medienproletariat billiger Schauspiellaien und wenig Geld in sehr kurzer Zeit sehr viel Sendeplatz zu füllen. Ursprünglich in Entwicklungsländern Südamerikas erfolgreich, nun auch in der Bundesrepublik, der es ja auch nicht mehr so gut geht. Die T. unterscheidet sich von der Seifenoper durch patent-rehäugige Hauptdarstellerinnen, trutschiges Frauenbild und garantiertes Hochzeits-Happy-End. Erster Erfolg: "Bianca - Wege zum Glück" (ZDF), das nach 224 Folgen dieses Jahr endete und eine Vielzahl von Adaptionen provozierte (Julia, Tessa, Sophie - wahlweise im "Sturm der Liebe" oder als "Braut wider Willen"). TÜRCK, ANDREAS: Als ProSieben-Talker ein Vertreter klebriger D-Klasse-Prominenz. Wurde durch nächtlichen Verkehr auf einer Frankfurter Brücke aktenkundig und damit ein Glanzfall für die Boulevardpresse. Hatte er die junge Frau zum Oralsex gezwungen oder nicht? Der Prozess endete mit Freispruch, aber ohne Sieger. Das anschließende Quasi-Berufsverbot dürfte nicht so schnell aufgehoben werden. Der internationale T. heißt Michael Jackson. TV-EVENT, das / der (gern mit dem Zusatz: "des Jahres"): Inzwischen inflationär gebrauchte Floskel für alles, was teuer ist, u. a. der ARD-Dreiteiler "Speer und Er" (als Hitler: Tobias Moretti, der seit "Kommissar Rex" gut mit Schäferhunden kann), -> Kanzlerduell oder sogar das "TV-total-Turmspringen". "Bild" vergab das Etikett allein dreimal. Da blieb für den Sat.1-Zweiteiler "Die Luftbrücke" nur noch der Trostpreis: "Das Fernsehereignis im Advent". Man wartet noch auf den 3sat-Fronleichnam-Event des Jahrzehnts. Weiter zu U wie Unterschichtenfernsehen |