Geschlechterkrieg: Neue Häuslichkeit - DER SPIEGEL
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Geschlechterkrieg Neue Häuslichkeit

In ihrem Bestseller "Brauchen wir Männer?" beklagt US-Starkolumnistin Maureen Dowd den Mangel an kämpferischen Frauen.
Von Verena Araghi
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt Frauen, die können sich alles erlauben, gerade bei Männern. Maureen Dowd, 54, nennt George W. Bush ein "verzogenes Muttersöhnchen" oder einen "tumben Texaner". Seinem Stellvertreter Dick Cheney hat sie den Spitznamen "Dr. Cheneystein" gegeben.

Die Herren sind ihr deswegen nicht mal böse. Vater Bush schreibt ihr sogar gelegentlich nette E-Mails - trotz aller Tretereien gegen die Mächtigen in Dowds Politikkolumne der "New York Times".

Unter den renommierten Kolumnisten ist sie dort die einzige Frau. 1999 erhielt sie für ihre Artikel über Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky den Pulitzerpreis. Die ehemalige White-House-Korrespondentin verhöhnte den Präsidenten als "schnatterndes Teenie-Girl, das seine Unschuld behalten will".

Das fanden viele lustig. Und treffend. Und Dowd war fortan eine der gefürchtetsten, aber auch angesehensten Journalistinnen Amerikas.

Doch Dowd schießt nicht nur gegen Politiker. Auch Feministinnen nimmt sie ins Fadenkreuz, besonders dann, wenn sie zu sanft mit Männern umgehen.

Ihr neuestes Buch mit dem Titel "Are Men Necessary?" (Brauchen wir Männer?) hat laut Nachrichtensender CNN in Amerika eine Geschlechterdiskussion ausgelöst, wie es sie seit der Clinton-Lewinsky-Affäre nicht mehr gegeben hat. Die Autorin sucht nach Überresten des Feminismus und findet sie nicht*.

Die Frauenbewegung, so verkündet sie, sei endgültig am Ende. Die Damen seien drauf und dran, sich in die Hausordnungen der fünfziger Jahre zurückzustöckeln. Früher hätten sie versucht, sich einen Platz in Politik und Wirtschaft zu erkämpfen, heute finde diese Selbstverwirklichung nur noch in Form von Schönheitsoperationen und Shoppingtouren statt.

Junge Mädchen und Frauen reduzierten sich auf sexuelle Reize, machten sich dümmer, als sie seien, nur um Männern zu gefallen. Wenn früher selbstbewusste Schauspielerinnen wie Katharine Hepburn als Vorbilder gedient hätten, so nähmen diesen Platz heute "einfach gestrickte Häschen" wie Jessica Simpson ein. Kein Wunder, höhnt Dowd, denn nichts könne einem Mann gefährlicher werden als eine Frau, die ihren kritischen Verstand einsetzt.

Und so haben die kämpferischen Damen ihren Rückzug angetreten und schmeißen sich wieder in Kittelschürzen, um ihre Chancen bei der Partnerwahl zu wahren. "Männer heiraten reihenweise ihre Sekretärinnen", sagt die Autorin. "Aber haben Sie schon mal einen Mann kennengelernt, der seine Vorgesetzte geehelicht hat?"

Eine Umfrage offenbarte, dass fast 60 Prozent der Studentinnen der Elite-Universität Yale dazu tendieren, nach ihrem Abschluss für Kinder und Küche zu sorgen, anstatt eine eigene Karriere anzustreben. Für Dowd Anlass, über die prompt ausgerufene "neue Häuslichkeit" zu schäumen.

Was ist los, Schwestern?, ruft sie. Es könne doch nicht angehen, dass der Mann aus dem Geschlechterkampf der letzten 40 Jahre nun als doppelter Sieger hervorgehe. Erst stiegen die weiblichen Konkurrenten beim Rangeln um gute Positionen in der Arbeitswelt freiwillig aus - und dann überließen sie den Kerlen auch noch die weiblichen Erfolgsstrategien wie Stutenbissigkeit oder tränenreiche Wutanfälle. Ein Schlachtfest richtet Dowd unter Frauenzeitschriften und Ratgeberbüchern wie der Dating-Bibel "The Rules" ("Die Kunst, den Mann fürs Leben zu finden") an, die allerdings auch phantastische Vorlagen liefern. Kostprobe: "Wenn Sie mit einem Mann zusammen sind, an dem Ihnen etwas liegt, seien Sie ruhig und geheimnisvoll, benehmen Sie sich wie eine Dame, schlagen Sie die Beine übereinander und lächeln Sie. Tragen Sie dünne schwarze Seidenstrumpfhosen und ziehen Sie den Rock ein Stückchen hoch, um Ihr Gegenüber zu verführen."

Selbst an Hillary Clinton, der Vorzeigefrau femininer Machtphantasien, lässt Maureen Dowd kein gerades Haar. Wie kann man dem Ehemann nach einem Mega-GAU wie der Lewinsky-Affäre die Treue halten, statt ihn in die Wüste zu schicken? "Die Feministinnen konnten ihren feministischen Präsidenten Clinton behalten und können vielleicht im Jahr 2008 einen weiblichen Präsidenten namens Clinton bekommen", schreibt sie. "Das Einzige, was sie dafür aufgeben mussten, war die Integrität des Feminismus."

Zu Dowds Bedauern haben jetzt "Supermamis" wie Angelina Jolie das Sagen in der Medienwelt. Wie diese ihre Kinder als Trophäen der Weiblichkeit vor sich her trage, sei zum Kotzen, und den Unternehmerinnen liefen diese "Babes" jeden Rang ab.

Trotz aller gutgelaunten Polemik sieht sich Maureen Dowd nicht als Frauenrechtlerin. Das sagt sie auch in unzähligen Talkshows oder bei den überfüllten Lesungen, die sie in ganz Amerika gibt.

Ihr Publikum dort ist überwiegend männlich. Komisch, denn die Antwort, die Dowd auf "Are Men Necessary?" liefert, dürfte ihnen kaum gefallen. Das Y-Chromosom sei eindeutig vom Aussterben bedroht, sagt sie lässig. "Und dann? Müssen wir Frauen eben lernen, ohne die Männer auszukommen."

Um sich solche Packungen abzuholen, warten die Kerle gern mal etwas länger auf die notorische Zuspätkommerin. Manche Frauen können sich eben alles erlauben.


* Maureen Dowd: "Are Men Necessary? - When Sexes Collide". Verlag Putnam, New York; 352 Seiten; 25,95 Dollar.