Kultur Gefangen in der Lebenslüge
Eine amerikanische Green Card zu gewinnen gilt als Eintrittskarte zum Glück. Als aber der Iraner Uschman Khan die Arbeitserlaubnis für die USA erhält, kommt es ihm vor wie eine Abschiebung. Seine Frau Farak wollte nach fünf Fehlgeburten Distanz, auch wenn sie das nie ausgesprochen hat. Nun lebt Uschman allein in New York und verkauft in einem Laden an der Madison Avenue jene Perserteppiche, die Farak ihm aus der Heimat schickt. Uschman ist einsam, er kann sich an den fremden Lebensstil nicht gewöhnen und erst recht nicht mit der Zerrüttung der Ehe abfinden.
Deshalb ist er auch so abgestoßen von seiner besten Kundin, der reichen, älteren Mrs Roberts, die mit ihrem sterbenden Mann in einer zu großen Wohnung lebt und sich mit den wertvollen Teppichen die Illusion einer schönen Zukunft geben will. Auch Uschman kann sich nicht aus seiner Lebenslüge befreien. Als seine Frau von einem anderen schwanger wird und sich scheiden lässt, fährt er zum Flughafen, um dort von ihrer Ankunft zu träumen.
Zufällig lernt er die Studentin Stella kennen, die sich ihren Kommilitonen unterlegen fühlt, weil sie noch nie mit einem Mann geschlafen hat.
"Der Teppichhändler", der Debütroman der Amerikanerin Meg Mullins, 33, ist nicht nur eine aufschlussreiche Lektüre für Fans handgeknüpfter Teppiche, sondern erzählt eine sehr eigenwillige Liebesgeschichte, die vom Abschied handelt: von der Illusion, dass man jemals nicht einsam sein könnte. Am eindrucksvollsten ist dabei, wie die Autorin die Verlorenheit eines Ausländers in der angeblich doch so weltoffenen, multikulturellen Großstadt schildert. Dass es an jeder Ecke eine Kebab-Bude gibt und auch genug Moscheen ist jedenfalls kein Mittel gegen Einsamkeit und Heimweh.
Meg Mullins: "Der Teppichhändler". Aus dem Englischen von Christiane Buchner. Berlin Verlag, Berlin; 256 Seiten; 18 Euro