Das Meer "ist der Raum der Hoffnung", behauptete Friedrich Schiller. Von wegen: Schiller kannte Donald Duck nicht. Der plattfüßige Wüterich ist auch auf hoher See ein ewiger Pechvogel. Gnadenlos schickte Carl Barks, der legendäre Zeichner und Texter einiger Phantastilliarden von Duck-Geschichten, seinen Helden immer wieder aufs und ins Meer. Donald, die lahme Ente, segelt um die Wette mit seinem verhassten Rivalen Gustav Gans; er paddelt durch einen Tsunami, taucht mit Meerjungfrauen, fischt mit Dynamit oder jobbt ("Der starke Arm des Retters naht") als Bademeister. Doch meistens - Blubb! Blubb! - säuft er dabei ab. Nur Onkel Dagobert schwimmt im Geld.
Donalds "Chronik fortgesetzten Scheiterns" vermittle dem Leser "ein Gefühl von Geborgenheit", analysiert Frank Schätzing, 48. Der Bestsellerautor, mit maritimen Themen vertraut ("Der Schwarm"), hat für einen neuen Prachtband 25 Abenteuer der Enten-Sippe ausgewählt und fachkundig kommentiert. "Hinter dem scheinbaren Schwachsinn" der Comics, so Schätzing, verberge sich nicht nur "große Literatur", sondern auch "tiefe Vernunft". Und jede Menge Kulturgeschichte. Ob "Fliegender Holländer", Goldenes Vlies oder die versunkene Stadt Atlantis: Auf dem Planet Entenhausen des Carl Barks wohnen Bildungsbürger mit Bürzel und großem Schnabel. "Fette Flunder, miese Makrele, hässlicher Hecht, räudiger Rollmops", fluchen die Ducks, übersetzt von Erika Fuchs, denn "Fische sind noch besser zum Schwimmen geeignet". Man ahnt: Der Leser hat Oberwasser.
Barks / Schätzing: "Die tollkühnen Abenteuer der Ducks auf hoher See". Marebuchverlag, Hamburg; 496 Seiten; 39,90 Euro