Kultur: Ruhelose Suche - DER SPIEGEL
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Kultur Ruhelose Suche

Elke Naters beschreibt in "Justyna" eine radikale Jugend mit dem unstillbaren Drang zum richtigen Leben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch eine Jugend in Deutschland. Man dachte eigentlich, es reicht jetzt langsam mit nostalgischen Erinnerungen der zwischen 1960 und 1975 in ein sattes Deutschland hineingeborenen Autoren, egal, ob aus Ost oder West. Aber nun hat auch Elke Naters, Jahrgang 1963, in einem offenbar stark autobiografisch gefärbten Roman die Geschichte so einer Jugend aufgeschrieben, und plötzlich spielt es keine Rolle mehr, wie viele vor ihr das schon getan haben. Denn Naters' Heldin Justyna ist anders: kompromissloser, leidensbereiter, radikaler. Das Buch beginnt 1979, da ist die Heldin 16 und lebt in München. Sie bricht die Schule ab und macht sich auf eine ruhelose Suche nach dem richtigen Leben: erst auf Jamaika, später in Berlin, mit Hilfe von Alkohol, ein paar Drogen, Sex, vor allem aber Freundinnen und Freunden. Die Autorin leuchtet einzelne Szenen in ihrer klaren, geraden Sprache genau aus, lässt anderes souverän im Dunklen. Nach Justynas 30. Geburtstag gibt es einen Sprung von acht Jahren, ins Jahr 2001: Die Heldin führt nun ein gesetztes, etwas zu ruhiges Leben, mit Mann und Kindern. Ausgerechnet da passiert etwas - und man weiß nicht, ob man es wirklich ein Unglück nennen kann.


Elke Naters: "Justyna". Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 240 Seiten; 18,90 Euro