Kultur Steig ein, Baby
So manche Frau hat beim Kampf um die Liebe eines Mannes schon gegen ein Auto verloren. Klar, dass es Angela, die gegen einen silberhell glitzernden Buick Rivera, Baujahr 1963, antritt, besonders schwer hat. Ihr Mann, der Bosnier Hasan Hujdur, hegt und pflegt dieses Sinnbild des American Dream "wie ein Archäologe", der "mit der Mumie eines Königs umgeht", bringt ansonsten aber nicht viel auf die Reihe. Dem Krieg in Jugoslawien entflohen, lebt er nun mit seiner deutschen Frau in Toledo, Oregon, und vertreibt sich seine Zeit mit ein paar wortkargen Freunden beim Billardspiel. Den Traum von der Hollywood-Karriere als Regisseur hat Hasan längst aufgegeben. Trotzdem hadert der Mann keineswegs mit seinem Schicksal, auch dann nicht, als seine Ehe zu zerbrechen droht: "Du trauerst nicht den Tagen nach, in denen du nur darauf gewartet hast, dass die Zeit verstreicht, sondern du trauerst um jene Jahre, in denen du etwas von dir verlangt hast." Der in Sarajevo geborene, heute in Zagreb lebende Miljenko Jergovic, 39, gilt auch als brillanter Schriftsteller. Mit Sprachgewalt und Komik lässt Jergovic seinen gefühlsphlegmatischen Helden im Verlauf der Geschichte gehörig aus der Kurve fliegen. Denn als Hasan eines Tages bei einem Autounfall dem Landsmann Vuko begegnet, wird er von der Vergangenheit eingeholt, weit heftiger, als ihm lieb ist.
Miljenko Jergovic: "Buick Rivera". Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main; 256 Seiten; 19,90 Euro