Literatur: Letzte Ausfahrt Thailand - DER SPIEGEL
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Literatur Letzte Ausfahrt Thailand

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Drei Wochen Aufenthalt im Paradies - vielversprechend klingt der Auftrag, den die Journalistin Kecki und ihr Gelegenheitsliebhaber, der Fotograf Max, bekommen haben. Aber bald schon ahnt man, dass "Das siamesische Dorf" - der Titel des Buchs deutet es an - auch seine Schattenseiten hat. Zu dem Garten Eden für Touristen an der thailändischen Küste gehört untrennbar auch ein Dorf im Landesinnern, wo in einer Art Parallelgesellschaft die Einheimischen leben, bei denen unter ungeklärten Umständen zwei Frauen umgekommen sind.

Zwei Klöster in der Nähe lassen auf buddhistische Erleuchtung hoffen, doch was den beiden Reportern im weiteren Verlauf der Handlung geboten wird, zerstört schnell alle Träume von einer besseren Welt. "Letzte Ausfahrt Thailand", entfährt es verbittert dem Fotografen Max angesichts der mitreisenden Deutschen, die sich als eine Truppe seltsamer Vögel entpuppen: Halbsieche, die an eine Wunderheilung ihrer Leiden glauben; Paare, denen die Liebe abhandengekommen ist; Erbschleicher; bayerische Wirtsleute, die in Spekulationsgeschäfte und Kindesmissbrauch verwickelt sind. Viele Fragen sind zu klären, viele Geheimnisse zu lüften in diesem Roman, der zunächst krimihafte Züge hat, dann aber seltsam ausufert und später inhaltlich total verrutscht.

Man begreift, dass Eva Demski, 61, nicht die gängigen Klischees bestätigen wollte: hier die bösen, rücksichtslosen Europäer, die sich der Thais bedienen, dort die guten Einheimischen, die betrogen werden.

Tatsächlich haben auch die Thais bei Demski höchst irdische Sehnsüchte nach Macht und Geld und sind in fiese Machenschaften verwickelt. Doch die guten Absichten der Autorin reichen nicht aus. Zu Beginn entwickelt Demski ihre Charaktere noch sehr gekonnt, ihre Journalistin Kecki ist mit wunderbarer Selbstironie ausgestattet, im weiteren Verlauf aber scheitert die Frankfurter Schriftstellerin an ihren hohen Ansprüchen.


Eva Demski: "Das siamesische Dorf". Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; 384 Seiten; 19,80 Euro.