Arbeitskämpfe: Fluglotsenstreik zur Fußball-WM? - DER SPIEGEL
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Arbeitskämpfe Fluglotsenstreik zur Fußball-WM?

Die Ärzte streiken, der Öffentliche Dienst ist im Ausstand - und pünktlich zum Beginn der Fußball-WM droht nach Informationen des SPIEGEL nun auch noch ein Streik der Fluglotsen. Sie wehren sich gegen die geplante Änderung des Flugsicherungsgesetzes.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Die Welt zu Gast bei Freunden" heißt ein Slogan, mit dem Deutschland für die Fußballweltmeisterschaft wirbt. Doch die Gäste werden sich womöglich die Augen reiben: Falls die Tarifparteien nicht allmählich Kompromisse finden, werden die Fußballfans aus aller Welt im Juni Straßen voller Müllberge, geschlossene Arztpraxen und Chaos auf den Flughäfen antreffen.

Denn bei den Arbeitskämpfen im Öffentlichen Dient und in der Ärzteschaft ist bisher keinerlei Lösung in Sicht - und nun droht auch noch ein Streik, der viele ausländische Gäste besonders treffen würde: Ein Streik der über 1700 deutschen Fluglosten sei kaum noch abwendbar, sagten Vertreter der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) nach einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium Ende vergangener Woche gegenüber dem SPIEGEL. Im Ernstfall drohe dadurch eine weitgehende Lähmung des Flugverkehrs pünktlich zur Fußball-WM Anfang Juni.

Leih-Lotsen aus Osteuropa?

Die Auseinandersetzung entzündet sich am Flugsicherungsgesetz, das die Bundesregierung am Freitag kommender Woche durchs Parlament bringen will und mit dem die Politik nach Meinung der GdF den hohen Sicherheitsstandard am deutschen Himmel aufs Spiel setzt. So soll die Flugsicherungstechnik künftig keine hoheitliche Aufgabe mehr sein; einige der Anforderungen an die Ingenieure, die für ihre Tätigkeit im Tower oder an Radaranlagen derzeit spezielle Bundeslizenzen erwerben müssen, entfielen. Dadurch könnten fachfremde Techniker für die Wartung von Flugsicherungsanlagen eingesetzt werden.

Mit den Lotsen "nicht zu machen", so GdF-Sprecher Marek Kluzniak, sei auch die geplante Öffnung praktisch der gesamten Flugsicherung für Leiharbeiter. Eine Tochterfirma namens "The Tower Company", über die Lotsen etwa aus Osteuropa eingesetzt werden könnten, hat die bundeseigene Deutsche Flugsicherung GmbH bereits gegründet.