Sachbücher Traum vom Reisen
Sie verließen das alte Europa im Zwischendeck. Zwischen 1820 und 1920 schifften sich 34 Millionen Europäer nach Amerika ein, sie suchten Freiheit und Wohlstand. Für die Schifffahrtslinien waren die Auswanderer ein lohnendes Geschäft, die Reeder bauten immer größere Passagierschiffe - die legendären Ozeanriesen waren in Wahrheit vor allem Fluchtfahrzeuge aus der Armut. Ein Bildband zeigt nun historische Fotos aus der Ära der Ozeanüberquerungen. Man sieht das Gedränge unter den Billigpassagieren, die Hoffnung in ihren Gesichtern - genauso aber auch den Luxus der ersten und zweiten Klasse: das Tennisspiel an Deck, den Swimmingpool, die feinen Salons, die Edelküchen. Unter reichen Touristen galt damals, dass eine Seereise dann besonders gelungen sei, wenn man das Meer vergessen kann. Für die ersten Motorschiffe wurde sogar "Nie wieder Seekrankheit" versprochen - eine Lüge, wie die Passagiere bald bemerkten. 1924 endete die große Zeit der Ozeanriesen: Die USA hatten ihre Einwanderungsquoten begrenzt, die Passagiere blieben aus.
Catherine Donzel: "Legendäre Ozeanreisen". Frederking & Thaler, München; 192 Seiten; 39,90 Euro.