Literatur: Rotlockige Feindin - DER SPIEGEL
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Literatur Rotlockige Feindin

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Paris im Sommer 1943: Der Obergefreite Roth, 22, ein Landser der treuherzigsten Art, spricht so fließend Französisch wie sonst nur die Einheimischen. Dieses Sprachtalent verdammt ihn zwar zum Dienst als Dolmetscher im Folterkeller der Gestapo, es erlaubt ihm aber auch, sich in seiner freien Zeit unerkannt unters Volk zu mischen. Eines Sommertages verguckt sich Roth auf Gedeih und Verderb in die verführerisch rotlockige Chantal. Durchschaut sie seine französische Maskerade? Sie gibt sich entgegenkommend, doch sie ist, wie sich zeigt, in der Résistance aktiv und lockt den braven Mann - gleichermaßen verliebt wie berechnend - Schritt um Schritt in ein Labyrinth von Selbsttäuschung und Verrat, aus dem es für Roth irgendwann kein Zurück mehr gibt.

Theatermacher und Schriftsteller Michael Wallner, 47, zeigt in seinem Kriegsthriller "April in Paris" so viel Mut zu entfesselter Kolportage, dass sein Manuskript schon auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse als potentieller Bestseller gehandelt und zur Übersetzung in ein Dutzend Länder verkauft wurde. Der Plot lässt sich handfest an, und die gestanzte Prosa der Actionszenen klingt drehbuchreif. Doch Wallners Paris von 1943 wirkt theatralisch kulissenhaft, und es fehlen dem Autor ganz und gar die Worte, um die Unwiderstehlichkeit von Chantal oder die Leidenschaft des Obergefreiten glaubhaft zu machen, der sich in seinem Liebeswahn kopfüber von einer Todesgefahr in die nächste stürzt. Wallner scheut keinen Dreh des Schicksalsrads, um opernhafte Tragik zu erzwingen, doch sein Vermögen reicht dabei nicht viel weiter als zu literarischer Hochstapelei.


Michael Wallner: "April in Paris". Luchterhand Literaturverlag, München; 240 Seiten; 19,95 Euro.