Entertainer Verbales Fasten empfohlen
Menschen, die beim Zappen auf MTV hängenbleiben, haben gute Chancen, einer kulleräugigen Moderatorin zu begegnen, die nicht selten an die Grenze der maximal sprechbaren Wörter pro Minute stößt. Lösung: schnell wegschalten oder zuhören, lachen, Fan werden. Nun schafft nur noch Umblättern Abhilfe oder Freude - je nach Sichtweise eben. Denn in ihrem ersten Buch, der Kolumnensammlung "Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens" (Fischer Taschenbuch Verlag; 8,95 Euro), prescht Sarah Kuttner gewohnt ironisch und wortgewandt durch die Sphäre des Banalen. Ein Thema ist etwa die vor gut einem Jahr exhumierte Chefarzt-Schmonzette "Schwarzwaldklinik", ein anderes der Bart des maladen Matthias Platzeck. Wozu braucht der Mensch Faxgeräte, er hat ja das Internet? Weil man doch seine fotokopierten Kniekehlen so schön an ausgewählte Feinde faxen kann, frohlockt die 27-Jährige. Kuttner nennt sich "Mädchen", dabei ätzt die Göre hemmungslos, diagnostiziert bei Joschka Fischer massive Gesichtszerknautschung und empfiehlt der Grünen Claudia Roth strenges Verbalfasten. Auf dem Buchrücken findet sich eine Eloge von H. P. Baxxter, bekannt als dauer-grölender Chef der Techno-Band Scooter. Es handele sich, so Baxxter in ostentativ professoralem Duktus, um ein "grundlegendes Werk". Auch so ein Kuttner-Spaß, der Rezensent Baxxter am Ende. Die Welt ist absurd, das ist ihr Motto. Oder auch: Sing, dance and have fun.
Sarah Kuttner: "Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens". Fischer Taschenbuch Verlag; 186 Seiten; 8,95 Euro