Kultur Krimi-Empfehlungen
Friedrich Ani: "Idylle der Hyänen"
Zsolnay Verlag, Wien; 352 Seiten; 19,90 Euro.
Polonius Fischer heißt der neue Kommissar des Münchner Autors Friedrich Ani. Fischer ist ein ehemaliger Kriminalbeamter und Ex-Mönch, der schließlich in den Polizeidienst zurückgekehrt ist. In seinem ersten Fall hat er es unter anderem mit dem vermeintlichen Selbstmord einer ehemaligen Nonne zu tun. Diese Konstellation, die bei anderen in Krimi-Kitsch ausarten könnte, verarbeitet Ani, 47, zu einem blendend geschriebenen, aufregend unkonventionellen Roman über die ewigen Fragen nach Gut und Böse, Schuld und Sühne und Vergebung und Rache. Einer der besten und packendsten Krimis seit langem.
Frank Göhre: "Zappas letzter Hit"
Pendragon Verlag, Bielefeld; 240 Seiten; 9,90 Euro.
Der Hamburger Auftragskiller, den alle nur "Zappa" nennen, hat seine Frau und dann sich selbst mit einer eingeschmuggelten Waffe im Gefängnis erschossen. Jahre nach der spektakulären Tat will Zappas Tochter wissen, welche Motive wirklich hinter der Tragödie steckten. Die junge Frau tritt bei ihren Nachforschungen einigen Hanseaten, die sich schon sicher wähnten, mächtig auf die Füße. Göhres Roman setzt die erfolgreiche Kiez-Trilogie aus den neunziger Jahren fort - mit unverändert überzeugendem Lokalkolorit und erhöhtem literarischem Anspruch.
Jérôme Delafosse: "Im Blutkreis"
Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn. Limes Verlag, München; 416 Seiten; 19,95 Euro.
Eine nach altbewährtem, aber spannend erzähltem Muster aufgeschriebene Geschichte über einen Mann auf der Suche nach seiner Identität: Ein Wissenschaftler verliert bei einem Tauchunfall zwar sein Gedächtnis, aber keineswegs seine intellektuellen und physischen Fähigkeiten. Er gerät auf der Suche nach seinem wahren Ich in den, klar, "Blutkreis". Eine in jeder Hinsicht abenteuerliche Schauerschmonzette, die in Frankreich schon zum Bestseller wurde, mit modischen Anklängen an den "Da-Vinci-Code". Für Freunde erbarmungsloser Verfolgungsjagden quer durch die Weltgeschichte.
Val McDermid: "Das Moor des Vergessens"
Aus dem Englischen von Doris Styron. Droemer Verlag, München; 544 Seiten; 19,90 Euro.
Wozu ein ordentlicher englischer Dauerregen doch gut sein kann: In einem abgelegenen Moor spült er die Leiche eines vor 200 Jahren gestorbenen Mannes frei. Auf dessen Haut sind noch Tätowierungen zu erkennen, die, wie sich herausstellt, aus der Südsee stammen. Die Literaturwissenschaftlerin Jane Gresham beißt an und stößt auf die Spur eines geheimnisvollen Gedichts. Doch die Suche nach den satanischen Versen ist nicht ungefährlich. Zu viele Menschen sterben, die mit dem Text zu tun hatten. McDermid, 51, ist ein Krimi mit gehörigem Gruselanteil gelungen.
Elizabeth George: "Wo kein Zeuge ist"
Aus dem Amerikanischen von Ingrid Krane-Müschen und Michael J. Müschen. Blanvalet Verlag, München; 800 Seiten; 22,95 Euro.
Spätestens seit das Duo auch im ZDF ermittelte, haben Elizabeth Georges Londoner Spürhunde Thomas Lynley und Assistentin Barbara Havers auch bei uns zahlreiche Freunde. In diesem Fall hat das ungleiche Paar - wohlhabender Aristokrat mit Hang zur Arroganz und Unterschichtspflanze mit Kodderschnauze - es mit Serienmorden an unterprivilegierten Jungen in London zu tun. George, 57, holt weit aus und erspart Lynley auch nicht einen herben privaten Schicksalsschlag. Trotz einiger Ungereimtheiten und Übertreibungen schafft es die US-Amerikanerin, ihren bizarren Fall souverän über die 800 Seiten zu bringen.