Kultur Ein Babylon mit Namen Bollywood
Schreiben sei besser als Sex, lässt sich die indische Schriftstellerin Shobhaa De, 58, gern zitieren. Lesen ist dann leider nicht ganz so gut, auch wenn ständig über Sex geschrieben wird im ersten ins Deutsche übersetzten Roman der Bestsellerautorin. "Glitzernacht" handelt von der wunderhübschen Filmschauspielerin Aasha Rani, deren prachtvolle Brüste Shobhaa De so wortgewaltig beschreibt, dass sich die Seiten des Buches fast zu wölben scheinen.
Jäh verarmt, aber reich an Schönheit, schläft sich Rani durch die indische Filmbranche, bis sie es zum Star gebracht hat. "Glitzernacht" ist ein Enthüllungsroman, der seiner Heldin bei jeder Gelegenheit den Sari vom Leib reißt, um die bonbonbunte Bollywood-Welt als Tümpel der Lust zu entlarven. Die indische Traumfabrik, die auf der Leinwand mit Weichzeichner die romantische Liebe verklärt, wird in "Glitzernacht" von dauergeilen Regisseuren und Produzenten regiert, die viel Geld auf dem Konto und Testosteron im Blut haben. Geschickt jongliert Shobhaa De mit Klischees, spielt ihrer Heldin fiese Gangster, schöne Jünglinge und schlaue Lesben zu und scheut nicht die Nähe zum Groschenroman, wenn sie die erotischen Abenteuer ausmalt. Eine süffige Pulp Fiction über Frauen, denen das Herz den Kopf verdreht, und Männer, denen das Hirn in die Hose rutscht.
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