Kultur Die Welt ist plötzlich leer
Leid kommt, wenn es eintrifft, in nichts dem gleich, was wir erwarten", schreibt die amerikanische Schriftstellerin Joan Didion, 71, nach dem Tod ihres Mannes. Didions Ehemann John Gregory Dunne erleidet eines Abends einen tödlichen Herzinfarkt, und "das Leben ändert sich in einem Augenblick".
Didions bewegendes Buch "Das Jahr magischen Denkens" analysiert scharfsinnig die ungeheure seelische Erschütterung, die der Autorin rückblickend wie eine spezielle Form von Wahnsinn vorkommt. Das panische Denken, in das sie verfällt, kreist darum, John wieder lebendig zu machen, sie leidet an Angstattacken, ihr verwundetes Selbst ist "außer sich". Didion forscht nach, wie schweres Leid sich bei Menschen auswirkt, sucht nach Trost in Gedichten und Essays. "Ein einziger Mensch fehlt dir, und die ganze Welt ist leer", liest sie bei dem französischen Philosophen Philippe Ariès. Doch Trauer zu zeigen ist unerwünscht im modernen Amerika, stellt Didion fest.
Ihr preisgekröntes Buch wurde in den USA ein Bestseller und besonders von jungen Leuten begeistert gelesen. Zu Recht, geht es doch weit über Didions persönliche Erfahrung hinaus; es ist eine Reflexion über Liebe und Ehe, Schicksal und Sinn, Glück und Verlust - und die Frage, wie wir Menschen mit der Tatsache fertigwerden, dass das Leben irgendwann aufhört. Während Didion das Buch schrieb, litt Quintana, ihre und Johns einzige Tochter, an einer schweren, mysteriösen Krankheit. Das Buch ist auch eine Liebeserklärung an sie. Quintana starb im vergangenen August mit 39 Jahren, ihr Tod kommt im Buch nicht mehr vor.
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