Jaume Cabré: Held wieder Willen - DER SPIEGEL
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Jaume Cabré Held wieder Willen

Der Roman des Katalanen Jaume Cabré handelt vom Trauma des Spanischen Bürgerkriegs.
Von Romain Leick
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Bürgerkrieg ist zu Ende, aber noch nicht vergangen. Alte Wunden schwären, neue werden geschlagen. An den Hauswänden des kleinen spanischen Pyrenäendorfs Torena am Fluss Pamano kleben der Hass und die Angst.

Der brutale faschistische Bürgermeister Valentí Targa, genannt der Henker von Torena, tyrannisiert mit seinen Falangisten die Bewohner, unter denen er überall rotes Gesindel wittert, mit Mord und Totschlag. Die kluge, kalte Großgrundbesitzerin Elisenda Vilabrú sinnt auf Rache und manipuliert die Männer mit ihrem unermesslichen Reichtum und ihrer betörenden Schönheit. Von den Berghängen her verüben die übriggebliebenen Widerstandskämpfer Vergeltungsanschläge.

Zwischen alle Fronten gerät der junge Dorfschullehrer Oriol Fontelles, ein zartbesaiteter, ängstlicher Mensch, dessen schwangere Frau ihn wegen seiner vermeintlichen Feigheit verlässt. Fontelles verstrickt sich in ein gefährliches Doppelleben, in dem er nicht länger nur als Marionette existieren will, was ihm am 18. Oktober 1944 zum Verhängnis wird.

Starb der Held wider Willen in der Kirche als Märtyrer? Aber für wen - für die Faschisten oder den Widerstand?

Fast 60 Jahre später findet die Lehrerin Tina Bros in der alten, zum Abriss bestimmten Dorfschule das geheime Tagebuch, das Fontelles hinter der Schiefertafel versteckt hatte, in der Hoffnung, irgendwann werde es sein Kind erreichen. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit - und facht alte Leidenschaften aufs Neue an. Auf mehreren Zeitebenen, von den dreißiger und vierziger Jahren bis in die Gegenwart, erzählt der großartige katalanische Autor Jaume Cabré, 60, in raschen Schnitten mit wechselnden Perspektiven ein dramatisches Geschehen - und entwirft zugleich ein spannendes Politik- und Sittengemälde Spaniens von Franco bis heute.