Sponsoring: Millionen für Beethoven - DER SPIEGEL
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Sponsoring Millionen für Beethoven

Eine Großspende der Telekom zum Bau eines Festspielhauses in Bonn sorgt für Unruhe im Konzern und erregt die Gewerkschaften.
Von Frank Dohmen und Klaus-Peter Kerbusk
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war reiner Zufall, dass Lothar Schröder vor wenigen Wochen im Zugabteil eine bunte Werbebroschüre der Stadt Bonn in die Hände fiel. Doch eine kleine Meldung auf der ersten Seite elektrisierte den stellvertretenden Aufsichtsratschef der Telekom sofort.

Ein neues "Festspielhaus Beethoven" werde demnächst in der Heimat des berühmten Komponisten errichtet, war dort zu lesen. Ein architektonisch und akustisch hochkarätiges Konzerthaus mit Rheinblick und rund 1500 Sitzplätzen sei geplant. Bezahlt werden soll der 60 bis 80 Millionen Euro teure Bau von den drei in Bonn ansässigen Unternehmen: Deutsche Post, Postbank und Deutsche Telekom.

Schröder, der als Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Berlin arbeitet, hielt die Meldung zunächst für einen Scherz. Ein Konzern, der eine Sparrunde nach der anderen verkündet, könne sich das gar nicht leisten, glaubte er.

Inzwischen weiß der Ver.di-Mann es besser. Und das könnte für Telekom-Chef René Obermann unangenehme Folgen haben. Denn Schröder will das aus seiner Sicht "absolut unangemessene Millionengeschenk" an die Beethoven -Stadt zu einem Thema in den kommenden Auseinandersetzungen um Löhne und Stellenstreichungen machen. Und damit dürfte er nicht nur bei der Belegschaft Pluspunkte sammeln.

Im Zuge der Diskussion könnten auch peinliche Fragen auf den Telekom-Vorstand zukommen. Denn das Zustandekommen des ehrgeizigen Projekts war ziemlich dubios - zumindest aus Sicht der Deutschen Telekom und ihrer Aktionäre.

Der Plan für das Millionengeschenk wurde nämlich keineswegs im Telekom-Vorstand oder in der Marketingabteilung geboren. Die teure Idee kam von Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, im Hauptberuf Chef der Deutschen Post AG.

Bereits Anfang vergangenen Jahres hatte der Post-Chef führenden SPD-Vertretern der früheren Bundeshauptstadt Hilfe angeboten. Die kulturbeflissenen Kommunalpolitiker sind seit langem unzufrieden mit der fast 50 Jahre alten Beethoven-Halle und träumen davon, ihre Stadt als "nach internationalem Ansehen strebenden Kulturort" zu etablieren - quasi auf Augenhöhe mit der Musikmetropole Wien. Nur leider hat die hochverschuldete Stadt am Rhein dafür überhaupt kein Geld.

So sprang Zumwinkel mit seiner Post in die Bresche. Denn der Polit-Profi weiß wohl, dass sich ein solches Engagement in politischen Auseinandersetzungen sehr wohl auszahlen kann. Und dass der in Bonn lebende Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zu den Befürwortern des umstrittenen Festspielhaus-Neubaus gehört, dürfte die Großzügigkeit zumindest nicht gebremst haben.

Problematisch nur: Der Post-Chef machte sich für das Investment nicht nur in seinem eigenen Unternehmen stark, sondern auch bei der Postbank und der Telekom, wo er die Aufsichtsräte leitet. "Ein Liebesdienst an die Politik", betont ein Post-Sprecher, sei das nicht gewesen. Zumwinkel habe lediglich eine "koordinierende Funktion" im Trio übernommen.

Dennoch traf das Mäzenatentum des rührigen Post-Chefs nicht nur auf Zustimmung. Im Gegenteil: In einem vertraulichen Papier vom April vergangenen Jahres äußerten Telekom-Juristen schwere Bedenken. Nach zwei Gewinnwarnungen in Folge, heißt es in dem Memorandum, sei ein so kostspieliges Engagement "nicht unproblematisch". Zudem stehe das Beethoven -Festspielhaus - offenbar im Gegensatz zu anderen Aktivitäten im Kultur- und Sportsponsoring - "in keinem Bezug zum Unternehmensgegenstand und zum Kundenstamm". Angesichts der heiklen Konstellation, warnten die Juristen, seien selbst "Aktionärsklagen und Strafanzeigen nicht auszuschließen".

Fast wäre das Gemeinschaftsprojekt, über das die Kommunalpolitiker bereits laut jubelten, an den Bedenken gescheitert. Sogar eine Pressekonferenz, bei der im April der offizielle Startschuss gegeben werden sollte, musste eilig abgesagt werden - "rechtliche Einzelfragen" seien noch zu klären, hieß es.

Und so setzte der Telekom-Vorstand alles daran, die Millionenspende "sachlich und rechtlich" zu prüfen. Wohl auch, glauben Manager, um einen Streit mit dem starken Post-Chef zu vermeiden. So hat der Telefonriese inzwischen Gutachten erstellen lassen, die belegen sollen, dass der Einsatz für das Bonner Konzerthaus selbst für einen Weltkonzern vom Format der Telekom vorteilhaft sei.

So könne man für gute Kunden Kulturreisen an den Rhein ausloben oder besonders fleißige Mitarbeiter mit Freikarten belohnen, heißt es. Dass sich die Telekom-Belegschaft aber mit solchen Aussichten abspeisen lässt, gilt in Gewerkschaftskreisen als unwahrscheinlich.

Denn in der anlaufenden Tarifrunde gibt sich der Konzern ausgesprochen knauserig. So will Obermann bisher nicht einmal den Geringverdienern im Unternehmen einen angemessenen Lohnaufschlag zahlen. Callcenter-Mitarbeiter, die in andere Firmen ausgelagert wurden, müssen ab 2009 sogar auf einige hundert Euro Monatsgehalt verzichten. Das alles, schimpft Gewerkschafter Schröder, sei "völlig inakzeptabel angesichts einer Millionenspende für Beethoven".

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