Titel Wird die Post zerschlagen?
Während junge Damen im prächtigen Foyer des Bonner Post Towers am vergangenen Donnerstag rote Blumen zum Valentinstag verteilten, hatte sich die Führungsriege wenige Etagen höher vor den Fernsehschirmen versammelt.
Ungläubig verfolgten die Manager die Bilder, die der Nachrichtensender N-tv unablässig von der Privatvilla ihres Chefs Klaus Zumwinkel ausstrahlte. "Da muss es sich um eine Verwechslung handeln", so die ersten Reaktionen. "Zumwinkel ein Steuerhinterzieher", das könne einfach nicht sein.
Was die Mitarbeiter des 64-jährigen Managers nicht wahrhaben wollten, wurde wenige Stunden später zur Gewissheit. Nicht nur bei der Staatsanwaltschaft in Bochum, sondern auch im eigenen Haus, sagen Kollegen, habe der Post-Chef durchblicken lassen, dass die Vorwürfe wohl nicht völlig falsch seien.
Freitag kurz vor zwölf Uhr war die 18-jährige Amtszeit Zumwinkels als Post-Chef zumindest faktisch vorbei. Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats und auch die Bundesregierung nahmen sein Rücktrittsgesuch geradezu erleichtert an. Die Zustimmung des gesamten Kontrollgremiums gilt als Formsache.
Das Unternehmen mit seinen weltweit gut 460.000 Mitarbeitern trifft der unfreiwillige Abgang Zumwinkels in einer äußerst kritischen Situation. Sanierungs- und Expansionspläne gehen nicht auf. Die Renditen des milliardenschweren Konzerns bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.
Und in den USA türmt die Post-Expresstochter DHL nach wie vor gewaltige Verluste auf. Zwischen fünf Milliarden und sieben Milliarden Euro, schätzen Experten, hat Zumwinkel mit seinen US-Expansionsplänen inzwischen in den Sand gesetzt. Und ein Ende des Fiaskos ist nicht in Sicht. Ein eiliger Versuch, mit dem US-Konkurrenten FedEx eine Partnerschaft einzugehen, um auf diese Weise Kosten in dreistelliger Millionenhöhe zu sparen, ist vorerst auf Eis gelegt. Zu unterschiedlich sind die Interessen der beiden Logistikriesen.
Seit Wochen schon machen einflussreiche Finanzinvestoren deshalb gewaltigen Druck auf die Post. Sie fordern nicht nur einen Strategiewechsel, sondern sogar eine Zerschlagung des Konzerns. Große Teile wie etwa die auf rund fünf Milliarden Euro geschätzte Postbank und das defizitäre US-Express-Geschäft sollen verkauft werden.
Auch um sein Lebenswerk nicht zu gefährden, hatte sich Zumwinkel immer wieder gegen solche Schritte gesperrt. Seinem Nachfolger jedoch dürfte das kaum noch gelingen.
Ob das tatsächlich der als Kronprinz gehandelte Frank Appel sein wird, der die Logistiksparte des Konzerns führt, ist seit Freitagabend zumindest nicht mehr ganz so sicher. Allein die Tatsache, dass er von Zumwinkel aufgebaut und gefördert wurde, gilt in der Politik inzwischen als Makel und verdächtig.
Und so bemühten sich hochrangige Regierungsmitglieder am Freitag darum, mögliche externe Kandidaten für den Vorstandsposten bei der Post zu finden. Bei Erfolg könnte dem Montag dieser Woche tagenden Aufsichtsrat eine entsprechende Namensliste präsentiert werden. Endgültig soll dann innerhalb der kommenden Wochen entschieden werden.