Schwarzgeld Letzte Rate in Zürich
In Kreisen deutscher Banken hat der Kunde einen üblen Ruf. Anfang der neunziger Jahre überfiel Michael Freitag mit Komplizen 13 Geldhäuser und erbeutete dabei rund zwei Millionen Mark.
Als Freitag, 48, am 3. September vergangenen Jahres gemeinsam mit seiner Mutter und einem Rostocker Anwalt die Commerzbank Rostock betrat, war das vielleicht sein erster Versuch, Geld einzuzahlen. Und das stammte nicht aus seinen diversen Überfällen. Doch auch mit Mama und seinem Rechtsberater an der Seite vermasselte Freitag den Bankbesuch. Der Einzahlungsbetrag von 1,4 Millionen Euro in bar war allzu ungewöhnlich.
Kaum wurde die Summe von der Frankfurter Commerzbank-Zentrale erfasst, da informierten die Manager die Ermittlungsbehörden. Und die setzten sich umgehend auf Freitags Spuren. Als der Karrierekriminelle dann versuchte, am 15. September 2007 von Hamburg aus mit 450 000 Euro im Gepäck nach Thailand auszureisen, schlug die Rostocker Staatsanwaltschaft zu.
Die Ermittler werfen ihm vor, ein "ausländisches Finanzdienstleistungsunternehmen" und dessen Geschäftspartner "seit 2005 kontinuierlich bis in die Gegenwart" erpresst zu haben. Gemeint ist die Liechtensteinische Landesbank. Die soll am 28. August 2007 in Zürich die letzte Rate einer Summe von insgesamt neun Millionen Euro an Freitag gezahlt haben.
Durch die Ermittlungen wird es nicht nur für Freitag eng, dem bei einer neuerlichen Verurteilung die Sicherungsverwahrung droht; Anfang der neunziger Jahre hatte er einen Bankkunden getötet, den Sohn eines Möbelhändlers entführt und einen Polizisten niedergeschossen. Dafür verbüßte der Rostocker eine langjährige Haftstrafe.
Betroffen sind auch Hunderte deutscher Kunden, die in Liechtenstein womöglich Schwarzgeld-Konten unterhalten.
Für das Fürstentum in den Alpen, das von dem Ruf lebt, Gelder besonders diskret zu verwalten, dürfte der Fall ziemlich peinlich sein. Denn die Freitag zur Last gelegten Geldgeschäfte stehen in Zusammenhang mit einer brisanten Liste. Vor rund sechs Jahren hatte ein Angestellter der Liechtensteinischen Landesbank das Dokument angefertigt. Aus Computern des Instituts, so Kenner des Vorgangs, habe Roland L. die Daten solcher Konten kopiert, auf denen er Schwarzgeld vermutete. L.s Kopien, heißt es, umfassen die Bestände von über tausend Kunden mit einem Gesamtvermögen von mehreren Milliarden Euro. Alle Konteninhaber auf der <
Seine Liste aber, oder eine Kopie des Dokuments, bedroht bis heute das <
Aus Liechtenstein allerdings ist in der Sache kaum Hilfe zu erwarten. Ein Sprecher der Liechtensteinischen Landesbank erklärte, seine Bank werde sich zum "jetzigen Zeitpunkt" nicht über eine mögliche Erpressung oder zur Liste äußern. Eine entsprechende SPIEGEL-Anfrage werde in der Geschäftsführung erörtert.
Den Strafverfolgern geht es erst einmal darum, den mutmaßlichen Rostocker Erpresser zu überführen und eine hohe Haftstrafe zu erwirken. Doch scheint angesichts des Interesses der Steuerbehörden an der Liste auch ein Deal denkbar. Freitag könnte etwa versuchen, über seine Rechtsbeistände mit der Staatsanwaltschaft eine Strafminderung auszuhandeln, falls er die Liste beschafft.
Nach Auskunft seiner Hamburger Anwältinnen Leonore Gottschalk-Solger und Astrid Denecke bestreitet ihr Mandant "entschieden, eine Erpressung begangen" zu haben. "Die bisherigen Ermittlungsergebnisse", so die Juristinnen, seien "widersprüchlich und erlauben noch keine klare Einschätzung der Vorwürfe". Zu Gesprächen mit den beteiligten Parteien seien sie aber bereit.
Für Freitag könnte es einen weiteren Grund geben, über die Liste auszupacken. Denn sollte sich das Dokument in seinem Besitz befinden, so ist er nicht der Einzige, der es hat. Vielmehr gibt es einen Mittelsmann, der ihm die Unterlagen zuspielte.
Als Roland L. die Bankcomputer anzapfte und sein Unternehmen erpresste, saß Freitag fernab des Fürstentums seine Haftstrafe ab, aus der er erst 2005 entlassen wurde. Bei dem dritten Mann handelt es sich nach Kenntnis der Ermittler um einen Kriminellen, der derzeit eine Strafe in Österreich abbüßt. Der Mann habe gemeinsam mit L. eingesessen. Als er von der Liste hörte, soll er dem Ex-Banker unter Gewaltandrohung abgepresst haben, wo das Dokument zu finden sei. Unbekannt ist, wie Freitag über den mutmaßlichen Kontaktmann an die Liste kam.
Die aber bot ihm die Möglichkeit, sich auch direkt an <
ULRICH JAEGER, GUNTHER LATSCH