Archäologie Gralsburg im Regenwald
Im 19. Jahrhundert, als Europa noch stolz und wagemutig war, entbrannte unter seinen Nationen ein ehrgeiziger Wettlauf. Zum Südpol stürmten die Pioniere, andere suchten Troja und Babylon. Schatztruhen, Mumien, ja ganze Obelisken wurden erbeutet. Ein Brite drang mit Sprengstoff in die Pyramiden ein.
Die USA standen bei alldem abseits. Erst spät baute das Land wissenschaftliche Institutionen von Gewicht auf, um eigene schlagkräftige Expeditionen auszusenden. Da waren die meisten weißen Flecken schon betreten. Also fuhr man notgedrungen zum Mond.
Nur einer hielt auch schon kurz nach der Jahrhundertwende mit: Hiram Bingham III., Gatte einer millionenschweren Tiffany-Erbin, erwarb sich Ruhm und Lobpreis durch seinen Vormarsch ins Hochland von Peru, wo sich einst das Reich der Inka erstreckte.
Goldene Pflöcke trugen dessen Adlige im Ohr, sie aßen Schlangen, eingelegt in Bier. Die Spanier suchten hier das sagenhafte Goldland Eldorado.
Vorbei an saftigem Dschungelgrün und getreppten Maisfeldern war der Zögling von der Universität Yale die wolkenumdampften Andenhänge emporgeklettert. Schließlich stand der Entdecker 2500 Meter hoch in Machu Picchu, auch die "Gralsburg" der Inka genannt. Fachleuten zufolge diente die Stätte als Winterresidenz ihrer Könige.
Die Bedeutung der grandiosen Ruinen, die wie ein Adlerhorst in den Kordilleren Perus liegen, hat Bingham nie erfasst. Wissenschaftlich gesehen war er eine Niete. Im Ersten Weltkrieg wechselte er zur Jagdfliegerei, landete an Bord eines Zeppelins vorm Weißen Haus und stieg später zum US-Gouverneur auf.
Schreiben aber konnte er. Voller Sehnsucht nach "letzten Dingen" hat der Abenteurer von seinen Reisen nach Südamerika berichtet. Der Bestseller "Lost City of the Incas" von 1948 erzählt von modrigen Gräbern, güldenen Tempeln und seltsamen Riten, bei denen sich die Indios die Augenbrauen ausrissen. Auch erwähnt der Autor den "köstlichen Geschmack" gerösteter Meerschweinchen - eine Leibspeise der Inka.
Comic-Zeichner der vierziger und fünfziger Jahre wurden von seinen Schilderungen inspiriert. Touristen folgten nach. Das Unesco-Weltkulturerbe Machu Picchu besuchen heute bis zu 4000 Gäste pro Tag.
Aber auch im Kino hinterließ der US-Entdecker Spuren. Einer der erfolgreichsten Leinwandheroen Hollywoods, Henry Walton "Indiana" Jones, Lehrstuhlinhaber für Archäologie am Marshall College in Connecticut, ist geformt nach dem Vorbild Hiram Binghams.
Im Mai 1977 habe er mit seinem Freund, dem "Krieg der Sterne"-Erfinder George Lucas, auf Hawaii zusammengesessen, um einen neuen Filmhelden zu entwerfen, berichtet der Regisseur Steven Spielberg, 61. Smart wie Cary Grant sollte die Figur sein, zupackend wie James Bond und schlau wie Albert Einstein.
Heraus kam der Frauenschwarm und "Beschaffer erlesener Antiquitäten" Professor Jones, aus dem ungebrochen der Geist imperialistischer Vorkriegsarchäologie atmet. Statt über Fragen des Kulturgüterschutzes zu debattieren, greift "Indy" lieber zu Bullenpeitsche und Revolver.
Stets sind es letzte Rätsel, verborgenste Kammern und dämonischste Kultobjekte, denen der Held nachspürt. Im "Jäger des verlorenen Schatzes" von 1981 begehrt er die Box mit den Zehn Geboten, im "Tempel des Todes" (1984) einen Riesendiamanten. Im "Letzten Kreuzzug" (1989) versucht er gar jener Schüssel habhaft zu werden, in die angeblich das Blut Christi tropfte: des Heiligen Grals.
Derlei Abenteuer hätten auch Bingham gefallen. Seine nach 1911 durchgeführten Beutezüge in Peru (bei denen er über 5000 kostbare Artefakte unter einem Vorwand außer Landes schaffte) belasten bis heute das Verhältnis zwischen der peruanischen Regierung und dem Yale Peabody Museum nahe Boston.
Auf alten Schwarzweißfotos, die den Eroberer in Expeditionskluft zeigen, tritt die Verwandtschaft mit dem Kinoableger auch äußerlich zutage: der gleiche Schlapphut, das gleiche Leinenhemd.
Echte Altertumsforscher indes mögen sich mit dem Filmhelden nicht anfreunden. Statt wie sie mit Pinsel und Feger vorsichtig krümelige Scherben freizulegen (die sie hernach in langweiligen Monografien beschreiben), tritt "Indy" als Tatmensch an: ein bewaffneter Schliemann für bildungsferne Schichten.
1,2 Milliarden Dollar hat die Trilogie bislang eingespielt. Kein Wunder, dass der Professor nun erneut antreten muss. Nach 19 Jahren Pause startet in den kommenden Tagen "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels". In der Hauptrolle: erneut Harrison Ford, inzwischen 65. Die Weltpremiere findet am Sonntag, dem 18. Mai, auf dem Festival in Cannes statt.
Soweit der geheim gehaltene Plot durchgesickert ist, spielt die Fabel diesmal überwiegend in Peru, Binghams altem Einsatzgebiet. Wir schreiben das Jahr 1957, es herrscht Kalter Krieg. Indiana Jones muss in den Besitz eines Kristallschädels gelangen.
Als Widersacher treten auf: fiese Russen und stammelnde Indios, deren mit Spinnweben verhangene Tempel aussehen wie Bausätze aus dem Legokasten. Gedreht wurde auf Hawaii und in einem ausgedienten Raketenhangar in der Wüste von New Mexico.
Auf erstaunliche Weise sind die "Indiana Jones"-Filme mit Wahrheiten gewürzt
Auch in Teil vier der Saga bleibt Spielberg seinem Konzept treu, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Wieder verwandelt er das ehrwürdige Altertum in eine Geisterbahn. Statt Kultur wird Kulisse geboten, in der sich das Publikum auch ohne Einsatz höherer Gehirnfunktionen zurechtfinden kann.
Was mehr verblüfft: In die archäologische Traumwelt ragt ständig Reales hinein. Auf erstaunliche Weise sind die "Indiana Jones"-Filme mit Wahrheiten gewürzt - nicht nur in Sachen Bingham. Gerade die besonders phantastisch anmutenden Handlungsstränge sind schlicht der Wirklichkeit entlehnt.
Beispiel: Im "Jäger des verlorenen Schatzes" wird erzählt, dass Adolf Hitler in den Ruinen von Tanis die Bundeslade suchen lässt, in der Moses einst die von Gott überreichten Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten verstaute. Ein "Pharao Scheschonk" habe den Kasten um 1000 vor Christus aus Jerusalem gestohlen und an den Nil verbracht.
Richtig daran ist: Scheschonk lebte wirklich, auch führte er Plünderzüge nach Palästina durch und hatte im unterägyptischen Tanis seinen Regierungssitz. Mehrere spinnerte Expeditionstrupps haben dort die Bundeslade gesucht. Selbst beim Nachbau der Kiste hielt sich das Filmteam streng an das 2. Buch Mose, das eine genaue Beschreibung der Bundeslade enthält.
Noch krasser sind in der spannenden Auftaktszene des Films Fakten und Fiktion verzahnt. Gleich zu Beginn betritt Indiana Jones einen düsteren Urwaldtempel, in dem ein mörderischer Automatismus waltet.
Minutenlang umschwirren ihn Giftpfeile aus Selbstschussanlagen. Falltüren gähnen, Vogelspinnen fallen im Luftangriff herab. Am Ende droht den Eindringling eine rollende Steinkugel zu zerquetschen.
Nur mit Mühe gelangt der Held ins Freie zurück, in der Hand seine Beute: eine kleine goldene Statue.
Für Sekunden ist das Objekt im Film zu sehen. Es stellt eine hockende Frau dar mit schmerzverzerrter Grimasse im Moment des Gebärens.
Das seltsame Bildnis, das aussieht, als stammte es aus einer Hollywood-Tischlerei, existiert wirklich. Es ist die Kopie einer Figur aus der Dumbarton Oaks Collection in Washington. Sie stellt Tlazolteotl dar, den aztekischen Geist der unreinen Begierde. Während die Göttin unter Qualen mit den Zähnen bleckt, lugt der Nachwuchs bereits aus ihrem Unterleib.
Einziger Unterschied: Das Original ist nicht aus Gold, sondern aus Jade. Mit sicherem Gespür hat Spielberg das Idol ausgesucht. In Fachkreisen gilt es als eindrucksvollstes Kultobjekt Altamerikas überhaupt.
Leider wird sich dieses Urteil in Zukunft nicht mehr aufrechterhalten lassen. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte das US-Fachblatt "Archaeology" Ergebnisse einer Prüfung mit dem Rasterelektronenmikroskop. Die Statue weist Spuren "rotierender Schleifgeräte" auf.
Urteil der Prüfer: "Es ist eine Fälschung aus dem 19. Jahrhundert."
Was für eine Enttäuschung: Das Glanzstück Altamerikas ist Tand. Wundern aber darf das niemanden. Gerade die geheimnisvollsten Mythen und Rätsel der Vorzeit sind häufig nichts als Schwindelei. Weder den Stein der Weisen noch die Ritterrunde König Artus' hat es je gegeben. Das Turiner Grabtuch Jesu Christi oder Hitlers Tagebücher - alles Fälschungen.
Nicht anders verhält es sich mit dem "Kristallschädel", dem nun der aus dem Vorruhestand zurückgekehrte Indiana Jones nachjagt. Im Film besitzt der schaurige Kopf kosmische Energien. "Indy" will ihn ergattern, um - gähn - die Weltherrschaft der Sowjets zu verhindern.
Wahr an der Sache ist: Derlei Gimmicks gibt es ebenfalls. Über ein Dutzend funkelnder Totenköpfe aus Bergkristall sind bislang aufgetaucht, einige schafften es bis in öffentliche Schausammlungen.
Das British Museum erwarb seinen Kristallschädel im Jahr 1897 aus dem Besitz des Staatsarchäologen am Hof von Mexiko. Der schwerste liegt in der Smithonian Institution in Washington und wiegt 14 Kilo.
Im Internet und in Esoterikbüchern ranken sich um die Objekte aberwitzige Theorien. Sie würden von Außerirdischen stammen, heißt es; einige seien 100.000 Jahre alt und von dämonischen Kräften beseelt.
Auf diesen Gerüchtezug springen die Filmleute auf. In den umfangreichen Pressetexten zum neuen Indiana-Jones-Abenteuer lässt Spielberg die Meinung vertreten, die Schädel könnten womöglich aus "Atlantis" stammen.
Lang und breit berichten die PR-Strategen auch über den wahrscheinlich schönsten Kristallkopf. Er stammt aus dem Besitz des britischen Abenteurers Frederick Mitchell-Hedges, der 1924 in Britisch Honduras einen Maya-Tempel ausgrub.
Dabei, so beteuerte der pfeiferauchende Sonderling, habe seine Tochter unter einem zerbrochenen Altar das schimmernde Artefakt aus Bergkristall entdeckt. Mitchell-Hedges taufte es auf den Namen "Schädel der Verdammnis".
Tochter Anna, die vor einigen Monaten 100-jährig in Chicago gestorben ist, sprach ihm dagegen eine übernatürliche Heilwirkung zu.
Angeblich ließ die Familie das Stück in den Labors von Hewlett Packard in Santa Clara untersuchen, einem "führenden Kristallforschungsinstitut", wie Spielbergs PR-Leute beteuern. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Schädel gegen die natürliche Kristallachse geschliffen wurde. Experten hätten seine Fertigungszeit auf "etwa 300 Jahre" geschätzt.
Beim historischen Vorbild Hiram Bingham betreibt der Regisseur arge Geschichtsklitterung
Kein Wort davon ist wahr. Längst haben Fachleute entlarvt, dass Mitchell-Hedges ein schlimmer Scharlatan war. In Wahrheit hat er den Schädel 1943 auf einer Auktion in London gekauft.
Eine an der Smithonian Institution in Washington vorgenommene Untersuchung hat jetzt endgültig alle Zweifel ausgeräumt. "Die gesamte Gattung der Kristallschädel ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts", erklärt die Prüferin Jane Walsh.
Spielberg wird das nicht stören. Er will Unterhaltung, keine Aufklärung - leider. Denn auch beim historischen Vorbild Hiram Bingham betreibt der Regisseur arge Geschichtsklitterung.
Der wahre "Indy" nämlich war ein humorloses Schlitzohr. Der Mesoamerikanist Richard Burger, der heute an der Universität Yale die von Bingham entwendeten Inka-Schätze verwaltet, nennt ihn "sehr ehrgeizig, fast obsessiv, besessen".
Geboren 1875 in Honolulu als Sohn eines Missionars, studierte der junge Mann zuerst Theologie. Kurz versuchte er sich als Pastor, arbeitete dann als Chemiker bei der American Sugar Company, ehe er wieder an die Hochschule ging. Diesmal versuchte er sich in Geschichte.
Doch Bingham wollte weg vom Schreibtisch. In den Ruinen von Babylon bis Theben tummelten sich schon andere. Also wendete sich der Amerikaner dem jungfräulichen Dschungel Perus zu, wo die Inka im 15. Jahrhundert ein erstaunliches Reich erschaffen hatten.
Eine SPIEGEL-TV-Produktion fürs ZDF zeigt am 18. Mai, wie gehetzt der Abenteurer voranschritt. Sein offizielles Ziel war die (aus alten Quellen bekannte) sagenhafte letzte Inka-Metropole Vilcabamba. Dort, so glaubte er, müsse zentnerweise Gold liegen.
Gerüchten anwohnender Bauern folgend, kraxelte der Gierige unter Leitung eines Hirtenjungen die Felshänge empor, am Ende "auf allen vieren". Laut Tagebucheintrag fiel am 25. Juli "Regen, Regen, Regen": "Manchmal konnten wir uns nur noch mit den Fingernägeln festhalten."
Endlich erreichte er Machu Picchu. 216 Ruinen stehen dort, Brunnen und Terrassen. "Es verschlug mir den Atem", behauptete der Entdecker später. In sein Tagebuch schrieb er nur kühl: "Machu Picchu ist unbekannt und wird eine gute Geschichte ergeben."
Und die schmückte er dann mit immer neuen Superlativen aus. Mal erklärte er die hochliegende Palaststadt zur "Geburtsstätte" des ersten Inka, dann wieder nannte er sie die letzte Zufluchtsstätte von hübschen "Sonnenjungfrauen".
Einen Rindersuppenknochen, den er im Urwald aufgelesen hatte, veredelte er zum "30.000 Jahre" alten Gebein eines Eiszeitmanns.
Immerhin gelang es dem zwielichtigen Gelehrten mit seinen Rekordmeldungen, das Augenmerk auf jenes phantastische Indio-Reich zu lenken, das sich einst nahezu 5000 Kilometer weit von Ecuador bis nach Chile erstreckte. Entstanden war es im 15. Jahrhundert durch eine rasche Invasion des Inka-Stammes, der in der Gegend von Cuzco lebte.
Wenige hundert Krieger mit Steinschleudern und Federbüschen am Holzhelm - damit fing alles an. Am Ende hatten die Soldaten mehr als eine Million Quadratkilometer Land unterjocht.
Was für ein Berg-und-Tal-Reich! Über Felsgipfel mit eingemeißelten Treppenstufen und Hängebrücken aus Fasern und Lamawolle zogen sich die Wege in dem zerklüfteten Land. Oben auf den bis zu 4000 Meter hohen Weiden grasten Lamas und Alpakas. In mittleren Lagen wuchsen Kartoffeln und Bohnen. Unten in den schwüldampfenden Dschungeltälern gedieh der alle ernährende Mais.
Zusammengehalten wurde der riesige Staat, der weder Rad noch Schrift kannte, durch ein gewaltiges Straßennetz. Zudem gab es Kurierpfade, gesäumt von Rast- und Vorratshäusern. Den Königsweg von Cuzco nach Lima durchlief eine Staffel schnellfüßiger Postboten in vier Tagen.
In diese Welt brach 1532 Francisco Pizarro ein, ein ehemaliger Schweinehirt. Er kam über Land, von Norden, mit einer Horde Banditen, darunter viele abgehalfterte Militärs. Angelockt wurde der Trupp vom Gold, das die Inka in Bergwerken mit puren Adern gewannen. Sie nannten es "Schweiß der Sonne".
168 Soldaten, rund 30 Pferde und ein Priester reichten aus, die letzte Kultur Altamerikas zu vernichten. Wie grausam die Fremden vorgingen, beweist ein in Neapel entdeckter Originalbrief eines Weggefährten Pizarros. Darin schildert er, wie man Dutzende Inka-Adlige hinterrücks vergiften ließ.
Auch der letzte unabhängige "Sohn der Sonne", Atahualpa, kam meuchlings ums Leben. Mit einem Trick setzte Pizarro ihn fest und versprach: Wenn du dein Gefängnis mit etwa 80 Kubikmeter Gold auffüllst, so lasse ich dich frei.
Der edle Wilde ließ Schneckenhörner erschallen, schickte gefiederte Boten in alle Landesteile los und beschaffte das Edelmetall. Seine Peiniger brachten ihn dennoch um.
In den ersten acht Jahren nach der Eroberung verschifften die Spanier mindestens 17.000 Tonnen an Silber und Gold nach Europa. Viele weitere Ladungen gingen durch Piraterie und bei Schiffsunglücken verloren.
Jeweils den "Königlichen Fünften", also 20 Prozent, steckte sich Karl V. in die Tasche - der in Aachen gekrönte König und spätere Kaiser, dessen Einfluss bis zu den "indianischen Inseln sowie des Festlandes jenseits des Ozeans" reichte.
"Nie zuvor und danach in der Geschichte der Menschheit ist einem so kleinen Heer eine so große Beute zugefallen", erklärt der Kunsthistoriker Meinrad Grewenig aus Völklingen.
Ganz so schlimm trieb es Bingham nicht - aber auch er verhielt sich unfair. Bei zwei rücksichtslos durchgeführten Grabungen öffnete er in Machu Picchu 130 Gräber und setzte tiefe Schnitte in den Tempelschutt. Silberschmuck und Bronzedolche kamen zutage, dazu 550 Keramiken sowie zahlreiche Skelette und Mumien.
Unter dem Vorwand, das seltene Material wissenschaftlich zu untersuchen, ließ der Forscher diese und andere Artefakte in die USA verbringen. Der offizielle Vertrag sah eine Ausleihdauer von zwölf Monaten vor. Doch bis heute kämpft der peruanische Antikendienst um die Rückkehr der Preziosen.
In Spielbergs Filmen sind derlei Schattenseiten ausgeblendet. Blitzgescheit und stets moralisch auf der richtigen Seite, verhaut Indiana Jones Nazis oder - wie in der neuen Episode - böse Russen. Vom historischen Leid des alten Südamerika ist in der pyromanischen Spaßszenerie nichts zu sehen.
Doch dem Publikum gefällt's, weitere Teile könnten folgen. Mythen, denen nachzujagen sich lohnte, gäbe es für "Indy" noch genug. Wie wäre es beim nächsten Mal mit dem Bernsteinzimmer, der Büchse der Pandora oder dem Jungbrunnen?
Der wackere Harrison Ford könnte ein Bad darin vertragen. Für eine Fortsetzung, kündigte er bereits an, stehe er zur Verfügung. "Ich mache weiter, bis ich vom Set falle."
"Das Rätsel von Machu Picchu", Sonntag, 18.05., ZDF, 19:30 Uhr