Ski Alpin "Man quält sich nicht gern"
SPIEGEL ONLINE: Am Wochenende beginnt im österreichischen Sölden der alpine Ski-Weltcup. Das deutsche Männerteam wird auch in dieser Saison nur einen konkurrenzfähigen Kandidaten aufbieten, den Slalomläufer Felix Neureuther. Fühlen Sie sich auf verlorenem Posten?
Maier: Nein. Wir haben Nachwuchsläufer, die starke Leistungen bringen. Das zeigt uns: Wir sind nicht hoffnungslos hinterher. Aber wir brauchen Geduld. Man kann sich einen Top-Läufer nicht einfach kaufen.
SPIEGEL ONLINE: Der Verband hat die Geduld verloren. Für diese Saison wurden die Mittel um eine Million auf 3,9 Millionen Euro gekürzt.
Maier: Ich jammere nicht. Wir müssen uns den Marktgesetzen unterwerfen. Wer Leistung bringt, erhält Gegenleistung. Was wir zuletzt gebracht haben, war nicht gut genug.
SPIEGEL ONLINE: Das Publikum interessiert sich traditionell am meisten für die Abfahrt der Männer. Warum fahren die DSV-Läufer ausgerechnet in der imageträchtigsten Disziplin weit hinterher?
Maier: Die Anforderungen an Abfahrtsläufer sind extrem hoch. Man muss einen großen Aufwand betreiben, um in die Weltspitze zu gelangen. Man muss bereit sein, sehr hart und zielorientiert zu arbeiten. Wir leben in einem Land, in dem es den Leuten sehr gut geht. Man quält sich nicht so gern im täglichen Training.
SPIEGEL ONLINE: Haben die Deutschen Angst vor der Abfahrt?
Maier: Unseren Talenten fällt es zumindest schwerer, sich in Grenzsituationen zu überwinden. In einer Skination wie Österreich erlangt ein guter Abfahrer Heldenstatus. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Die Bereitschaft, volles Risiko zu gehen, ist bei unseren Läufern deshalb geringer ausgeprägt. Die denken zweimal nach, bevor sie sich den Hang hinunterstürzen.
Das Interview führte Gerhard Pfeil