Luftfahrt: Ansturm der Mini-Flieger - DER SPIEGEL
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Luftfahrt Ansturm der Mini-Flieger

Der Markt der Ultraleichtflugzeuge boomt. Neue Lifestyle-Flieger sollen noch mehr Menschen den Traum vom Fliegen ermöglichen - doch auch die Zahl der Unfälle steigt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Cockpit von Flugzeugen sieht nach Arbeit aus, nicht nach Vergnügen. Die nüchtern gehaltenen Armaturen zeigen die Flughöhe an, die Geschwindigkeit, den Öldruck oder die Positionskoordinaten. Laien fühlen sich von dem unübersichtlichen Gewimmel abgeschreckt.

"Sexy sind die Dinger jedenfalls nicht", findet Steen Strand. Der Designer hat deshalb jetzt zusammen mit Ingenieuren ein Flugzeug entworfen, das eine "spaßige Angelegenheit" werden soll. Das schillernde Gefährt heißt Icon A5 und wendet sich, so Strand, "an jeden, der sehnsüchtig in den Himmel schaut".

Besonders stolz ist er auf das Cockpit: Das matte Silber erinnert an die Optik von Sportautos. Das Instrumentarium ist auf das Wesentliche reduziert. Die wohl komplizierteste Anzeige ist die für den Anstellwinkel. Der Rest wurde einfach weggelassen - nicht aber der Steckplatz, an dem sich ein iPod anschließen lässt. Strand: "Dieses Cockpit demütigt keinen Anfänger."

Auch sonst kommt das pummelige, nur wenige 100 Kilogramm schwere und rund 100.000 Euro teure Kleinflugzeug äußerst praktisch daher. Die Stummelflügel lassen sich einklappen, damit es auf einem Autoanhänger transportiert werden kann wie ein Motorboot. Seinen Rotor trägt es an der Rückseite der Pilotenkanzel.

Bislang gibt es im Wesentlichen zwei Typen von Hobbyfliegern: den Unternehmer, der mit seiner schweren Cessna zum Golfturnier fliegt, und den hemdsärmeligen Bastler, der an seinem preisgünstigen Ultraleichtflugzeug selbst die Schrauben anzieht. In jedem Fall ist Fliegen bis heute ein elitäres Freizeitvergnügen geblieben.

Genau das will Icon mit der A5 ändern. Das Unternehmen will einen ganz neuen Kundenkreis gewinnen: jene abenteuerlustigen Besserverdiener, denen der Kick beim Jetski- oder Offroad-Fahren nicht mehr reicht.

Ihre ersten Testflüge hat die A5 hinter sich; über 300 Bestellungen liegen vor, vor allem aus den USA. Die Auslieferung beginnt Ende 2010. Auch auf der Luftfahrtschau Aero diese Woche in Friedrichshafen wollen die Icon-Manager für ihre Erfindung werben.

Schon in den vergangenen Jahren ging der Trend weg von den schweren Kleinflugzeugen mit mehr als einer Tonne Startgewicht, wie der Cessna 172 oder der Piper PA 28; stattdessen gewannen Ultraleichtflugzeuge an Bedeutung - besonders in Deutschland. Mit Hightech-Materialien erschufen Firmen wie Flight Design, einer der Marktführer mit Sitz südlich von Stuttgart, fliegerische Leichtgewichte. Mittlerweile gibt es davon in Deutschland mehr als 3300.

Doch neue, komfortablere Mini-Flugzeuge wie die Icon A5 könnten zu einer Konkurrenz für die Ultraleichthersteller werden. Die A5 ist sogar ein Amphibienflugzeug, das nicht nur von der Wiese, sondern auch vom Wasser aus abheben kann.

Auf die Ultraleichtflieger kommt noch ein zusätzliches Problem zu: eine Sicherheitsdebatte. Das vergangene Jahr zeigt, wie gefährlich sie im Vergleich zu herkömmlichen Sportflugzeugen sind. Die Bilanz in Deutschland ist verheerend: 24 Menschen starben in den schwebenden Zwergen.

"In Ultraleichtflugzeugen kamen mehr Menschen um als in den größeren Sportfliegern - obwohl es davon viel mehr Maschinen gibt", urteilt Frank Göldner, Experte bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Sein Amt habe in einer Untersuchung herausgefunden, dass die Selbstkontrolle der Flugverbände nicht ausreichend sei.

Die Unfallzahlen des abgelaufenen Jahres seien "ein besorgniserregender Ausreißer", gibt Jo Konrad vom Deutschen Ultraleichtflugverband zu. Zu 90 Prozent hätten Fehler des Piloten zum Absturz geführt. Konrad kritisiert bei einem Teil seiner Ultraleichtflieger eine "zu legere Handhabung" des Fluggeräts.

Manche der Mini-Maschinen seien anspruchsvoller zu steuern als Sportflugzeuge. "Bei einer schweren Cessna braucht man das Seitenruder seltener, bei Ultraleichtflugzeugen wegen ihres geringeren Gewichts häufiger", warnt Konrad.

Das spielerische Image, mit dem Unternehmen wie Icon ihre Flugzeuge bewerben, könnte der Sorglosigkeit weiter Vorschub leisten. Strand verspricht, die A5 verfüge über "gutmütige Flugeigenschaften", die schon mal "einen Fehler verzeihen". Und wenn dem Freizeitkapitän ein kapitaleres Missgeschick unterlaufe, gebe es noch einen Fallschirm an Bord der A5, an dem die gesamte Maschine sicher zur Erde trudele.

Die Statistik weist allerdings die meisten Unfälle bei Start und Landung aus. Verbandschef Konrad: "Da hilft einem dann auch kein Fallschirm mehr."